Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 8 (November 1844)
- Date
- 1844-11-01
- Page
- Seite 291 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Rabbinerversammlung zu Braunschweig. 291 wird. — Ein Gleiches gilt auch rücksichtlich eines andern Moments, das beachtet werden soll: die Höhe der Zeit, das Judenthum soll den fortgeschritetnen Zeitbegriffen entsprechen. Aber das Judenthum entspricht nach seiner Grundidee nicht nur dem Begriffe jeder Zeit, sondern ist Weit über dieselbe hinaus erhaben. Das Judenthum trägt aber auch den wesentlichen Gedanken in sich, daß der Mensch einen hohem Willen der über seine Erkenntniß und seine Begriffe hinausragt, anerkenne, dessen Weisheit und Tiese unerforschlich sind und dessen Gebote und Vorschriften er sich unterwerfen soll. So wenigstens wird das Juden-- thum bei dem größten Theile, selbst bei Denjenigen bewachtet, die durch Gewalt der Umstände oder weil sie über manchen Punkt nicht reiflich gedacht, hier und dort abweichen. Ein sublimirtes Judenthum, wie es sich Manche ersinnen, die über alle Offenbamng hinaus in ihm nur ein Entstehen in der Zeit wahrnehmen und von ihm außer der Idee nichts erhalten wissen wollen, ist nicht Glaube des Volkes; und kann auch nicht der Glaube Jener sein, die als Rabbiner, als Lehrer und Verkünder der Offenbamng und als Verbesserer für und im Geiste des Volkes, zusammentreten. Welche Anforderungen nun an eine Rabbinerversammlung gemacht werden, was ihre Mitglieder mitbringen sollen? Vor Allem Liebe zum Glauben als einem Geoffenbarten, Positiven, und tiefe Innigkeit, der das Judenthum nicht nur Sache der Reflerion sondern ein seit Jahrtausenden Bestehendes ist und als solches sickweiter erhalten soll. Mag auf dem Gebiete der Wissenschaft manche Meinung hervortreten, mag die Forschung, so sie redlich ist, sich hier ergehen: selbst ihre Abirrungen führen nicht selten zur Erkenntniß und zum Triumphe der Wahrheit. Doch bei einer Versammlung, von der Vorschläge an das Volk gelangen sollen, muß im Geiste des bestehenden Judenthums, muß vor Allem was im Volke lebt berücksichtigt werden. Denn nicht eine neue Gesetzgebung, nicht ein neues Judenthum wird beabsichtigt: würde das Volk ein solches Verlangen hegen, dann würde es sich an seine Rabbinen zuletzt wenden, würde es sich um allgemein gelehrte und praktische Männer umsehen, die über eine neu zu creirende Religion berathschlagten; die auf Positives basirte Theologie müßte ganz ausgeschlossen bleiben. Also mit der Liebe zum Judenthume des Volkes, mit der Erkenntniß seiner Gefühle und was ihm lieb und theuer ist, mit der Einsicht daß weil es dem Volke lieb und theuer es einen festen geheiligten Kern in sich schließe, muß zusammengetreten und dieser Kern erhalten werden. Nicht minder gerecht ist die Anforderung, daß die Versammlung 22*