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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-11-01 · 8 (November 1844) · p. Seite 290

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
8 (November 1844)
Date
1844-11-01
Page
Seite 290 (sequence 4)
Language
German
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290 Die Rabbinervcrsammlung zu Braunschweig. für sich sprechen, ihre Rechtfertigung an der Stirne tragen: von wem sie ausgegangen sind, ist eine Frage, die entweder überflüssig, so die Beurtheilung Wahrheit, oder unnütz, so sie Lüge bringt. Wir werden uns aber nur an die Protokolle halten können, da für deren Echtheit der Präsident und der Secretär der Versammlung einstehen, und also hier wenn auch nicht das Wörtliche doch das Wesentlichste der Verhandlungen mitgetheilt ist. Vor Allem muß nochmals erinnert werden, daß es im Judenthume keine Bevorrechteten, keine Geistlichen gibt: es können daher selbst Männer, die im Amte stehen, nicht eine Synode bilden, so nicht das Volk selbst durch Repräsentanten aus seiner Mitte daran Theil nimmt, oder mindestens die resp. Gemeinden erklären, daß sie in ihren Rabbinen und Predigern ihre Vertreter erblicken, und ihnen zu diesem Behufs Vollmachten einhändigen (vgl. Junihest: die projectirte Rabbinerversammlung). - Eine solche Versammlung kann also nicht Beschlüsse fassen; das Recht aus einem Machtspruche zu erschweren oder zu lösen kann ihr nicht eingeräumt werden: nur Vorschläge können von ihr ausgehen, die empfangen im Geiste der Religion und getragen vom Geiste des Volkes den Zweck „Belebung des religiösen Sinnes, Erweckung einer tiefem Anhänglichkrit an den Glauben" erzielen sollen. Bei diesen Vorschlägen muß nun vor Allem darauf hingewirkt werden, daß das Volk deren Urhebern Vertrauen schenke, überzeugt sei, daß sie selbst von der tiefsten Anhänglichkeit durchdrungen seine religiösen Gefühle theilen, aus der Waage der strengsten Gewissenhaftigkeit jeden ihrer Aussprüche abwägen und die Religion, wie sie im Volke lebt, nicht wie etwa abstracte Theorien und unklare Speculationen sie aufgefaßt wissen wollen, von ihnen vertreten werde. — Ein nicht unwichtiges Moment wird ferner bei diesen Vorschlägen die Zeitgemäßheit abgeben müssen, die Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, die Anerkennung also, daß das Judenthum einer Fortbildung fähig sei. Aber so sehr dem Volke selbst durch seine Erfahrungen, durch die Gegensätze, auf die es im Leben stößt, eine solche Ausgleichung erwünscht sein muß, so sagt ihm doch sein Tact oder vielmehr sein tiefes religiöses Gefühl, daß die Rücksicht auf die Ausgleichung nicht die alleinige Leiterin sein kann: bei diesem Nachgeben beruhigt es sich nicht, fühlt seine Zweifel nicht beschwichtigt. Denn wird der Glaube verrenkt und gedehnt bis er aus die Forderung der Zeit hinaufgeschraubt ist, so ist für denselben nichts gewonnen, da an dem durchsichtigen Gerippe die Absicht erkennbar ist, und also der Glaube nicht fortgebildet sondern einem Gegebenen nachgebildet

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