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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-10-01 · 7 (Oktober 1844) · p. Seite 266

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
7 (Oktober 1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 266 (sequence 20)
Language
German
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266 Bericht über Synagoge und Schube. ihm ein solches Recht eingeräumt? Welcher empörende Eingriff, wenn der Vorstand polizeilich verbietet, Trauungen unter fteiemHimmel vorzunehmen, hatte er nicht vorerst mit dem Rabbinat hierüber zu communiciren; kommt ihm das Recht zu, ein solches Verbot an das Rabbinat ergehen zu lassen, gehört es zu seiner Function religiöse Reformen und seien sie noch so unbedeutend vorzunehmen? Hat der Vorstand bei derartiger eigenmächtiger Einmischung seine Stellung begriffen? Wir übergehen die vielen Eingriffe und das mitunter an Insulten grenzende Verfahren und bemerken nur, daß das Grundübel darin liegt, daß der Vorstand zu sehr zum Polizeilichen inclinirt und Staats- und Sicherheits- und Wohlfahrtsmaßregeln herbeiziehet und sie zur Untergrabung des Rabbinats und zu ftiner eigenen Geltendmachung reichlich ausbeutet. Wen aber der eigentliche Vorwurf und nicht etwa in fernen Schwingungen und in mittelbarer Annäherung sondern direct und in der nächsten Nähe trifft? Die Gemeinde selbst, wegen ihrer Lethargie, wegen der sie überwältigenden vis inertiae, wegen ihrer Gleichgiltigkeit, die höchstens in diesem Hin- und Herabzerren einen Stoff der Neugierde und der Besprechung und der Medisance findet. - Unsere Gemeinde von 9000—10,000 Individuen wird von drei Männern vertreten, und ist die Gemeinde von keinem wirklichen Ausschuß, dem Gemeindevorstand gegenüber, repräsentirt. Drei Männer entscheiden also über die wichtigsten Angelegenheiten der Gemeinde, der sie übrigens keine Rechenschaft von ihrem Walten ablegen, obschon sie einen ziemlich beträchtlichen Gehalt — was unseres Wissens in keiner sonstigen Gemeinde Deutschlands — beziehen! Ragt nun unter diesen drei Männern Einer durch Wissen und Gewandtheit hervor, so wirst er sich leicht zum Dictator auf, der dann natürlich Niemanden, auch das Rabbinat nicht, neben sich dulden will. Wäre Regsamkeit, lebendige Theilnahme, und ein auf das Gemeinwohl gerichtetes Streben unter uns, wie hätte nicht der Wunsch schon lange sich kräftig geltend gemacht, daß ein Vorstand von mindestens fünf Mitgliedern gewählt, daß ihm eine kräftige Deputation zur Seite gestellt, daß ein Gemeindestatut entworfen, daß die Gemeinde selbst über sich und über ihren Zustand klar werde? Unsere gerechten h. Behörden würden diesen Wünschen schwerlich ein geneigtes Ohr verweigert, würde ihre Triftigkeit gewürdigt haben, und auf sie nach der Billigkeit der Forderung eingegangen sein. Aber der Begriff eurer Gemeinde und ihrer Vertretung und Constituirung ist bei uns gar nicht zum Durchbruch gekommen, noch ist keine Ahnung hiervon erwacht; der größere Theil weiß nicht, daß er einen Willen habe, einen solchen haben könne; und es charakterisirt uns am meisten, daß bei der jedesmaligen Wahl dieselben Vorsteher wieder an die Reihe kommen, und daß noch nie bei solcher Gelegenheit ein Tadel gegen die Amtführung eines Vorstehers laut wurde. Aber die guten Wähler-überhoben sich auf diese Weise der Mühe des Nachdenkens und des weitern Deliberirens; und was vermag auch eine solche süße Ruhe aufzuwägen! das Bewußtsein, keine Störung veranlaßt, und weder sich eine mühenvolle Stunde noch Anderen eine Kränkung ver-

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