Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 263 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. 263 jüdische Arme mit einem reichlichen Mittagsmahle bewirthet wurden. Der Lithograph, hiervon benachrichtigt, lehnte nun den unentgeltlichen Druck ab. Haben die Juden reichlichen Ueberfluß, daß sie, ihre eigenen Armen hintansetzend, sich dafür christliche Gunst erkaufen wollen, so ist es auch billig, daß sie dem christlichen Professionisten das Seinige zahlen, meinte er. Wohl kann man nicht die Lieblosigkeit dieses (an sich gut gemeinten) Unheils theilen, so wie überhaupt jener Feierlichkeit eine solche Absicht nicht im entferntesten zu Grunde lag; wir führen es nur als den Typus und Repräsentanten der allgemeinen Meinung an, und aus welchem Gesichtspunkte man hierorts von christlicher Seite derartige Wohlthaten zu betrachten pflegt. Ob man anderswo bessere Ansichten und ein besseres Gedächniß für gute von Juden gestiftete Werke habe? Man frage nur wie die erbgesessene Bürgerschaft zu Hamburg die von Salornon Heine geleistete großartige Aushilfe bei dem verheerenden Brande von 1842 seinen Glaubensgenossen vergolten, und welche Anerkennung in den Augen des Volks die Bemühungen eines hiesigen jüdischen Fabrikanten, der mit einem Theile seines Vermögens der Roch der Weber im Riesengebirge in eben diesem unglücklichen Jahre abhalf, gefunden habe! Es sei fern von uns gegen Unterstützung hilfsbedürftiger Christen sprechen zu wollen, wir müßten schamvoll erröthen, wollten wir je gegen unbegrenzte, keinen Unterschied der Consession kennende Menschenliebe, unsere Stimme erheben! Wir würden uns unter der doppelten Last der Lieblosigkeit und der Verkennung erdrückt fühlen, da doch viele christliche Wohlthäter der Juden gedenken und führen hier vor Allem unfern verehrten Landeschef, den Erzherzog, an, der manche jüdische Wittwe und Waise durch monatliche Gehalte unterstützt. Aber wenn wir Wohlthaten üben, so geschehe es nicht in officieller Weise, werde jeder Schein des Prunkens, jede Veranlassung zur Mißdeutung vermieden. Die Spende, sei sie gegen Juden oder gegen Christen, gedeiht nur im Verborgenen; Wohlthun gewinnt nur dann Herzen, wenn es vom Herzen kommt und der Empfänger die Überzeugung theilt, daß es dem Herzen entquillt. Doch kehren wir nach diesem fast unfreiwilligen Ercurs zu der Charakterisirung unseres hiesigen Mittelstandes zurück. Neben seinem Wohlthätigkeitssinne, der zwar mehr in das Gebiet des allgemeinen Menschlichen gehört, aber nicht minder bei religiösen Zwecken hervortritt, zeichnet ihn eine ungemeine Empfänglichkeit für das Bessere aus. Fanatismus und Parteifucht, des Südländers eigenste Eigenthümlichkeit, sind ihm ziemlich fremd. Der Tempel, diese Anstalt, in anderen großen Gemeinden der Zankapfel der verschiedenen Parteien, der Zündstoff innerer Zerwürfnisse, die Anregung zu Collisionen und zur Verketzerung, er hat hier keine Anfeindung empfunden, wird von den Mitgliedern aus allen Rüancirungen besucht und hat seinen Stützpunkt in dem Mittelstand, der ihr: füllt, an den Gesängen Gefallen findet, der Predigt aufmerksam horcht, gegen die wesentlichen Veränderungen an den hohen Festtagen keinen Einspruch erhebt, und sich freut, Befriedigung seiner frommen Gefühle gesunden zu haben. — Wir müssen aber auch auf