Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 262 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Bericht über Synagoge und Schule. Bevölkerung ausmacht, doch kaum y6o der in den hiesigen Zuchthäusern eingesperrten Verbrecher angehört. Auch haben wir das alte Erbtheil — die Keuschheit — sorgsam bewahrt, und wenn man von kleinen der Zeit inhärirenden Koketterieen absieht, (wobei aber ebenfalls der hier zu weit ge? triebene Aufwand und andere äußere Ostentation schon in bürgerlicher Hinsicht scharf zu rügen wäre, da durch sie dem Neide und dem Hasse der christlichen Bevölkerung auf eine höchst herausfordernde Weise Nahrung gegeben wird) so bietet auch von dieser Seite Prag das Bild reiner Sittlichkeit dar. Wir gedenken hier noch des Wohlthätigkeitssinnes, der zwar überhaupt im Iudenthum heimisch, nicht sowohl wegen seiner glänzenden Manifestationen, sondern gerade durch sein bescheidenes Auftreten besondere Beachtung verdient. Wir erkennen gern gebührend an, daß unsere Reichen den Armen oft in großartiger Weise bedenken, und ihre Hand selten dem Bedürftigen verschlossen ist, wenn wir auch bei dem Hinblicke auf die Huldigung die sie sich selbst dafür bringen, so wie bei Erwägung des nach ihrer Meinung hierdurch erworbenen Privilegiums, sich in anderer Hinsicht vom Judenthume und Juden zurückziehen zu dürfen, unsere frühere Rüge nicht zurücknehmen können, als eine um so erfreulichere Erscheinung tritt uns die Mildthätigkeit unseres Mittelstandes entgegen. Bei ihm heißt es buchstäblich: IWI "]n*Q D^JJ, er wirft nicht stolz herabblickend seine Gabe hin, sondern gibt und theilt sie aus wie an die Glieder seines Hauses und werden die Armen mit zu der Familie gerechnet. Es ist nicht selten, daß von der grade nicht überreichen Tafel ein Theil für Arme reservirt wird, daß der aus seinem Verkaufsladen mit kärglichem Gewinn nach Haust Zurückkehrende seinen Tageslohn mit dem ihm begegnenden Dürftigen theilt; und heben wir den Zug hervor daß mehrere zwölf bis dreizehnjährige Knaben einen Verein gestistet haben, wohin sie wöchentlich von ihrem Taschengelde etwas abgeben um Anne zu unterstützen. Wahr ist es übrigens daß „Staatsalmosen" bei uns nicht Anklang finden; so würden Aufforderungen zu einem Kölner Dombau aus der symbolisirten deutschen Einheit uns unverständlich bleiben, noch würden wir um Namenstage zu feiern, Tausende zu einem Spitale zusammenwerfen, dessen ntan nicht bedarf. Was bei uns geschieht, hat seinen Grund und sein Ziel in sich, in dem in ihm liegenden und durch dasselbe zu bezweckenden Guten, und wird nicht durch äußere Rücksichten entstellt, oder sind gar diese die allgemeine Leiter. Auch werden Gaben und Anstalten deren Grundstein „Submission" bildet, und deren Ecksteine „Absicht" aufgedrückt ist, hier zu Lande noch weniger als anderswo Anklang finden. Man erzählt sich eine Anekdote von einem hiesigen christlichen Lithographen, der die Eintrittskarten bei Concerten zum Besten jüd. Armenanstalten unentgeltlich zu drucken pflegt. Zu ihm kamen nun wie gewöhnlich die Unternehmer eines derartigen Concerts, das einige Zeit nach der zu Ehren des Einzuges unseres LandeschM des Erzherzogs Stephan von der jüdischen Gemeinde begangenen Feierlichkeit stattfinden sollte. Diese Feierlichkeit hatte ihren Glanzpunkt darin gefunden, daß zwei hundert christliche und fünfzig