Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 261 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. 261 der Juden sei, und sein erstes Lallen von ihnen erlernt habe, wenn auch ein preußischer Beamter seinem Buche über den Diebesjargon keinen andern Titel aufzudrücken wußte, als „die Sprache jüdischer Gauner." Hätte dieser Herr sich besser umgesehen, so würde er nicht erst in der Vorrede die Entschuldigung nachgetragen haben, sondern wäre vor der Prostituirung eines Volksnamens zurückgeschaudert, und wohl hätte er, da Nichtjuden in diesem edlen Metier sehr glücklich mit dem Juden rivalisiren, das Einzelne im Universellen aufgehn lassen. — Kehren wir aus die ärmeren Juden Hamburgs zurück: es wird ihnen Ehrlichkeit und redlicher Erwerb nachgerühmt, und sei auch der Gewinn nur geringe. Eine besondere Erwähnung verdient eine in ihrer Art etwas seltene Hingebung eines vor einiger Zeit daselbst verstorbenen jüdischen Bettlers. Dieser, stets in Lumpen gehüllt und durch widerliches Aeußeres die Zielscheibe aller Gassenjungen, ermüdete nicht Tag und Nacht, in jeder Witterung und zu jeder Jahreszeit sein Bettlergewerbe, so sehr er Verachtung und Hohn mancher Vorübergehenden zu tragen hatte, zu treiben. Der Tod rief ihn endlich von seinem Geschäfte ab, und er mochte nur höchstens noch Gelegenheit finden, Charon seinen Ueberfahrtpfennig abzubetteln. Einige Tage nach seinem Hinscheiden meldeten sich mehrere Familien beim jüdischen Gemeindevorstand als der Almosen und Unterstützung bedürftig. Wie sie denn jetzt auf einmal so herabgekommen, fragte der Vorstand. Wir haben durch den Tod Maker's (so nannte man spottweise jenen Bettler) unsere Stütze verloren, da er mit seinen erbettelten Pfennigen uns ernährte. Bericht über Synagoge und Schule. (Fortsetzung.) Wir verlassen mit einem peinlichen Gefühle die höheren Regionen und forschen ob wir nicht einen gesunderen Stoff in den untern Sphären finden werden. Und in der Tbat birgt der jüd. Mittelstand in Prag die kräftigsten Elemente in sich, die von einer bildenden Hand zu einem Ganzen vereinigt Prag zu der Pflanzschule eines das Edlere der Zeit in sich ausnehmenden . und doch seinen eigenen Gehalt nicht aufgebenden Judenthums machen würden. Leite man es aus dem Drucke äußerer Verhältnisse ab, wohin das Zusammenwohnen der Juden und daher ihre Concentrirung nach einem Punkte hin zu rechnen wäre, oder weil — wie wir Eingangs erwähnten — noch das Bild frommer Ahnen aus Jenen Fernen herüberwinkt, und ihre Stimme noch nicht verhallt ist, es herrscht hier bei einzelnen Abirrungen eine ungemeine Heilighaltung des väterlichen Glaubens und ein sehr beftiedigender Sittlichkeitszustand. Von letzterm zeugt die Thatsache daß der Prager Judenschast, die 9000—10000 Individuen zählt, also ungefähr Mn Uten Theil der hiesigen