Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 259 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagesbegebenheiten. 259 lebendiges Zeugniß auftritt: nicht zu gedenken des freventlichen Mißbrauchs mit dem frommen Religionseifer der fo oft den Bekehnmgsi. e. Eroberungsplanen und der Habsucht hat zum Deckmantel dienen müssen, der verwerflichen Mittel die noch heute so oft die Bekehrungssucht in ihrem Gefolge hat. — Wenn wir einmal eine Nationaltheologie haben sollen, so besteht diese nur in gewissen religiösen Formen, die nur für Juden verpflichtend sind, nicht aber als allein seligmachend allen Menschen aufgebürdet werden; den Inhalt der Religion, die ewigen, beseligenden Wahrheiten spricht das JudeuLhum keinesweges ausschließlich seinen Bekennern zu, sondern nur die Priorität derselben. Dasselbe Recht der Priorität erkennen wir uns aber auch in Bezug auf die Unsterblichkeitslehre zu, welche genanntes Werk der mosaischen Religion abspricht. (Fortsetzung folgt.) Tagesbegebenheiten. „Der Buchstabe tödtet, der Geist belebt," dieses ist der oft wiederholte Ausruf der Aufklärung, die Devise, die unsre Zeit mehr als jede andere zum Aushängeschilde trägt und die den Sieg des Neuen über das Me verkünden soll. Und wer stimmt nicht mit vollem Herzen in den Wunsch ein, daß der Buchstabe nicht der alleinige Leiter sei, das; er nicht nach einem Scheinleben, das man ihm einhaucht, verdrehet, sondern nach seinem eigentlichen Sinne, nach dem Sinne, in welchem er ausgesprochen wurde, gedeutet, nach dem Geiste, der ihm einst inwohnte, erfaßt werde? Daß das Gegentheil nicht nur auf dem Gebiete der Religion, wo doch wenigstens ein frommer Jrrthum zu solcher Gläubigkeit verleitet, sondern auch im Leben auf die grellste Weise hervortritt, mag folgender Vorfall beweisen. Der reiche, jüdische orthodore Bankier Beitel zu Berlin hatte vor vielen Jahren eine reich dotirte Stiftung begründet, aus welcher den Talmud Stubirende unterstützt werden sollen. Die Nachkommen dieses Beitel traten zum Christenthume über; und mm wird von ihnen die Forderung geltend gemacht, daß das Testament buchstäblich erfüllt werde, und also christliche Theologen, die den Talmud stud iren, Stipendien aus der Stiftung erhalten. Muß nicht jeder nur einigermaßen gerechte Sinn, muß nicht jedes Billigkeitsgefühl sich gegen diese Hintansetzung jeder Pietät, gegen diese offenbare Verknöcherung des Buchstaben, gegen diese muthwillige Ertödtung des Geistes aufs tiefste empören? Man weiß, zu welchem Zwecke in früherer Zeit Stiftungen zum Talmudstudium gemacht wurden. Der Erblasser glaubte hierdurch für sein jenseitiges Wohl zu wirken, wollte, daß nach seinem Tode durch ihn die Kenntniß des Gesetzes verbreitet und unter seinem Volke