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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-10-01 · 7 (Oktober 1844) · p. Seite 257

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
7 (Oktober 1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 257 (sequence 11)
Language
German
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Reformbestrebungen und Emancipation. 257 Die mosaische Religion sei eine engherzige Nationaltheologie: aber nennt denn die Schöpftmgsgeschichte nicht alle Menschen, Ebenbild Gottes? Heißt es nicht: Alle Geschlechter der Erde sollen durch dich (Abraham) gesegnet werden? Sagt Gott nicht: „Mein ist die ganze Erde, aber ihr sollt mir ein Mustervolk sein?" Hat nicht Abraham ztrerst gelehrt für die Ungläubigen und Sünder zu beten? Und wo ist denn mit größerer Liebe und Sorgfalt für den Fremden gesorgt, als im mosaischen Gesetze? Man vergleiche doch Exod. 22,20. 23, 9. Levit. 19, 33. 25, 35. Deut. 10, 16! Man beachte doch das Tempelweihgebet Salomonis, wie es die Erhörung und Hilfe des Herm auch „für den Fremden, der nicht z>nn Nvlke Israels gehört," erfleht. AehnlicheS zeigt der Endzweck der jüd. Theokratie, weicher nicht wie Herr Dr. von Ammon meint, der sinnliche Genuß des Landes Canaan ist, sondern „daß einst alle Völker in erläuterter Sprache den Ewigen anrufen und ihn einmüthig verehren" (Zeph. 3, 9.) „und sprechen werden: Auf lasset uns hinauf zum Berge des Herm zum Hause des Gottes Jakobs gehen, daß er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln, denn von Zion geht die Lehre aus und Gottes Wort von Jerusalem. Und er richtet zwischen Völkern und weiset zurecht viele Nationen, und sie wandeln ihre Schwerter in Sensen und ihre Lanzen zu Wcinmessern um" (Jes. 2, 1. vgl. 11.). Und dies soll eine engherzige Nationaltheologie sein? Oder will man es ihr zum Verbrechen anrechnen, wenn mit dieser universellen MessiaSidee zugleich die einer bessern- Zuktmst Israels sich verknüpft, wenn sie diesem Volke nicht nur geistige sondern auch leibliche Freiheit und Selbstständigkeit verspricht? Ist denn nicht jene mit dieser verbunden, jene von dieser abhängig? und soll denn Israels Freiheit auf Unkosten Anderer bewirkt und nicht vielmehr sie das Signal allgemeiner Freiheit sein? — Freilich nennt die mosaische Religion ihre Anhänger ein auserwähltes Volk, aber auserwählt zu, die edelste Menschenliebe und Gottesfurcht athmenden Werken, anserwählt zur Verbreitung nicht zum ausschließlichen Besitz der höchsten Idee des beseligendsten Glaubens, zu streben, zu wirken und zu leiden, daß durch sie gesegnet werden, die ihnen fluchen, daß durch sie geistig erhobeil werden, die sie verhöhnen, daß alle Menschen unser was für Namen immer zu Gott und zum wahren Leben geführt werden: und nach Erreichung dieses Zieles erst dürfen auch sie leiblich und geistig frei unter dem Schatten des Friedens ruhen. Aber, wird mancher sagen, dies ist nur die „christliche" Ansicht einiger Gebildeten; der gemeine Jude geht nicht über den „sinnlichen Genuß des Landes Canaan" hinaus. Nein! so spricht es der ge-

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