Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 256 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Reformbestrebungen und Emancipatiom Treiben der Menscheil einwirkenden Gottheit, der innigsten Verknüpfung des Menschen mit Gott? Kalt hieße dieser Glaube, und unfruchtbar wäre er? Wer fühlte sich nicht erwärmt von dem Gedanken, daß des Einen höchsten Wesens Weisheit und Güte das ganze All belebt, durchströmt und zum Ausdruck des Ewigen verklärt? Wessen Gemüth bliebe kalt, wenn Gott durch Jesaja uns das tröstliche Wort zurust: der das Licht gebildet uud die Finsterniß schuf, der den Frieden schafft und das Böse herbeiführt, ich der Ewige thue alles dieses! Wenn er uns lehrt in Allem den Einen, den gütigen Urquell zu erblicken, der Alles zum Besten lenkt, und daß wir keinem Dualismus huldigen? — Und die Früchte dieses Glaubens will der christliche Theolog nicht anerkennen: des Glaubens der da sagt: Gott ist eins in sich, kein Widerspruch ist in ihm, selbst strafend ist er noch die Liebe (Deut 8, 5. Prov. 3, 12.) Jeder Mensch sei eins in sich und liebe Gott von ganzem Herzen, lasse kein Doppelstreben, keinen Egoismus, keine Sünde in sich aufkommen: wie Gott eins so sei das israelitische Volk eins in sich, gehe aus in dem Einen Streben nach dem göttlichen Willen zu lieben und zersplittere und verschwende nicht seine Kraft am Nichtigen, Irdischen (Deut. 26, 17. 18.) die ganze Menschheit sei eins unter sich wie Gott, und blühe zur Gottesfurcht und Gottseligkeit auf in Eintracht, Friede und Liebe (Micha 4, 3. Jes. 2, 4. Zephan. 3, 9. Zachar. 14, 9). Diese Früchte will der Pentateuch unter der Sonne der Gerechtigkeit und Liebe athmenden Gesetze zum Gedeihen bringen. Und der ewige Gott Mose's soll ein Gegenstand des kalten unftuchtbaren Gianbens, diese Erkenntniß nicht fmchtreich für das Leben sein, weil der mosaische Glaube die Früchte statt in des Menschen Sohn in den Menschensöhnen verwirklicht wissen will? Und was sollen wir erwiedern Jener das Judenthum, den strengsten Monotheismus zur Quelle des Dualismus stempeln will und (Fortbild, des Judenth. S. 281.) behauptet, die Lehre von der getheilten Weltregierung Gottes und des Teufels sei jüdisch, so wie dieser Gelehrte dort Alles was ihm am Christenthume mißfällt, mit dem Attribut, „jüdisch" bezeichnet, unter Andern auch höchst merkwürdiger Weise die Erbsünde, die Personifikation des Trinitätsdogma. Hätte dieser Gelehrte doch erwogen welcher täuschende Sophism in seiner Behauptung liegt, nach der seine geistige Theologie, die nach Abstraction der täuschenden christlichen Formel, in welcher er ihr eine Scheinhülle von Christenthum zu geben versucht, reine Vernunft ist, Christenthum, und die von ihm verworfene Trinitätslehre, der Hauptanstoß der christlichen Lehre beim Judenthum, Judenthum werden soll! —