Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-10-01 · 7 (Oktober 1844) · p. Seite 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
7 (Oktober 1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 254 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744866--0285-2745229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

254 Rcformbcstrebmgcil und Emancipatlon. Klaren gewesen wäre (S. 216); daß die mosaische Religion unverkennbar an den Gebrechen einer Nationaltheologie leide; es fehlen ihr jene hohem Ansichten der Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe Gottes, die nur aus einer liefern sittlichen Bildung des Gemüthes hervorgehen können; es fehle ihr jene gründliche und umfassende Darstellung der hochwichtigen Lehre von der Vorsehung Gottes und seiner moralischen Weltregierung; es fehle ihr die ganze Unsterblichkeitslehre und der Endzweck der jüdischen Theokratie erhebe sich nicht über den frohen und sinnlichen Genuß des Landes Eanaan! (S. 108, 109). Und sonderbar genug heißt es an einer andern Stelle: Moses habe von der Unsterblichkeitslehre und der jenseitigen Vergeltung nichts gewußt, und daher sein Werk noch der weitern Vervollkommnung empfohlen. Aber wenn er davon nichts ahnete, wie konnte er daher seinen Nachfolgern eine Verbesserung seiner Lcgislasion, wie es dort heißt, aufbehalten? — Und obgleich diese Vorwürfe eigentlich nur den mosaischen Büchern gelten sollen, und die Propheten und heil. Schriften, mögen sie als Ausleger oder Fortbildner des Mosaismus betrachtet werden, doch auch hätten beachtet werden müssen: so wird doch die Beseitigung dieser Mängel allein dem Christenthum zugeschrieben. — Andere tadeln wieder, der jüdische Gott sei abstract, der christliche dagegen sei der concret gewordene; die mosaische Religion beschränke sich ans Polizeigesetze und Ceremonien und entbehre die Lehre von der Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit, lehre die Nächstenliebe in beschränktem Maaße, erkläre hochmüthig ihre Anhänger für das anserwählte Volk — lauter einseitige Beschuldigungen der Theologen, die für sich eben so ausschließlich die ewigen Wahrheiten und die Lehren der reinsten Sittlichkeit in Anspruch nehmen möchten, wie die weltlichen, die vergänglichen, irdischen Güter; die nicht zufrieden dem Christenthume eine veränderte, edlere Gestalt zu geben, dem Judenthume alle Häßlichkeiten aufbürden möchten, damit es jenem zur hebenden Folie diene. Endlich bildet das Zetergeschrei über den Talmud, der ein Convolut alles Unsinns und aller Gehässigkeit sein, und zugleich in jedem seiner Worte dem Juden als unverbrüchliche Autorität gelten soll, dew Schlußstein. Die Hoffnung aus den Messias aber, zumal wenn damit die auf eine einseillge Selbstständigkeit der Juden in Verbindung gebracht wird, sei vollends mit der Vaterlandspflicht unverttäglich. Hierzu kommt die Unredlichkeit unserer Beurtheiler, daß während sie das Christenthum mit Jgnorirung der Vergangenheit und selbst der Gegenwart von dem höchsten Standpunkte ihrer eigenen subjektiven Idee auffassen und ihr Christenthum an die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.