Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 253 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Reformbestrebungen und Emanci'pation. 253 nommen; nur was als Schlacken, als Ansatz des Zeitlichen und Gebrechlichen angesehen wird, bleibt dem Judenthume: der Geist des s. g. A. T. wird als christlich ertrahirt, der leblose Körper als Judenthum niedergeschlagen. Da ist es denn oft ergötzlich anzuhören, wie die Theologen ihren Spott und Witz, ihre Willkür und Laune, genannt Freisinnigkeit, im A. T. sich ergehen lassen, und wie sie dann urplötzlich im N. T. in fromme, gläubige Seelen überschlagen und Alles darin gut und vernünftig finden, selbst bis auf die Verfluchung des Feigenbaumes >), auf die Wegweisung der kananitischen Frau mit den Worten: Ich bin nur gesandt zu den verlornen Schafen in , Israel1 2) ja bis auf die Austreibung der Teufel und die Jagd derselben in die Heerde Säue. In das Christenthum legt man die Vernunft, wo sie sich nicht findet, hinein, aus dem Judenthum bestrebt man sich sie auch da, wo sie offenbar spricht, weg zu demonftriren. Hier bleibt man Knecht des Buchstabens und argumentirt aus bildlichen Ausdrücken, daß dem jüdischen Gotte die Heiligkeit und Geistigkeit mangele, reißt Stellen aus dem Zusammenhänge, und ignorirt andere, die zur Berichtigung dienen, um einen jüd. Zorngott zu erdichten, dem Liebe und Versöhnung fremd wäre, man verschließt das Auge all den Stellen des A. T., die Gott als den liebenden Vater aller Menschen, die dessen allwaltende Vorsehung über das All wie über jedes Einzelwesen insbesondere, seine vergeltende Gerechtigkeit, seine Gnade und Barmherzigkeit verkünden; man übergeht alle die prophetischen Stellen, welche als den Hauptinhalt der Messiasidee, die allgemeine Vollendung und Glückseligkeit der Menschheit in der Anbetung des Einen und im reinen Wandel vor ihm weissagen, und hält sich geflissentlich an diejenigen, welche von der untergeordneten aber mit der Hauptidee in Verbindung stehenden speciellen Zukunft der Juden handeln, um sofort mit aller Dreistigkeit alle möglichen Makel auf das Judenthum häufen zu können. Wir lesen zu unserer großen Verwunderung in dem berühmten und geistvollen Werke eines hochgeachteten Theologen (Fortbildung des Christenthums zur Weltreligion von Ammon, Theil I.) das freilich einen rein theologischen Zweck hat, und trotz der Verkürzung des Mosaismus denselben doch mit Achtung und Verehrung bespricht, daß selbst Mose's ewiger Gott nur der Gegenstand eines kalten, wandelbaren und unfruchtbaren Glaubens sei(S.281.), daß Moses selbst noch nicht über die Unkörperlichkeit Gottes im 1) Matth. 21, 19. 2) ibid. 15, 24.