Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-10-01 · 7 (Oktober 1844) · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
7 (Oktober 1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 252 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744866--0283-2745227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

252 Reformbestrebuilgen und Emancipation. kräftigerem Anstreben der Tugend uns endlich das Zugeständniß der Fähigkeit erzwingen: aber anders verhält es sich, wenn die Einwürfe von unserm Glauben hergcnommen werden: dieser ist uns zu theuer und heilig, als daß wir ihn schweigend verunglimpfen sehen, als daß wir es still dulden könnten, daß die Tochter im Uebermuthe ihrer Macht und unbegrenzten Ausdehnung sich nicht entblödet, ihre ehrwürdige Mutter höhnend ins Angesicht zu schlagen. Da wird in Elementarschulen mit dem Christenthume zugleich auch die Verachtung gegen das Judenthum den zarten Gemüthern tief eingeprägt, indem man thörichter Weise der christlichen Religion eine desto festere Anhänglichkeit zu sichern vermeint, wenn man mit gehässigen Seitenblicken fortwährend auf das Judenthum schmäht, und Alles was man als verwerflich erkannt, diesem ausbürdet; da wird von Kathedern und Kanzeln herab die Verherrlichung des Christenthums in selbstgefälliger Ueberhebung, mit der man allen Segen nur ihm zuschreibt und dem Mosaismus jedes veredelnde und erhebende Moment als christliches entzieht, auf Kosten des letztem verkündet, und in Kammern dem Judenthume die Fähigkeit abgesprochen, wackere, tüchtige Staatsbürger zu erziehen. Wohlan denn! spricht die empörte Mutter zu der höhnenden Tochter, laß uns rechten! „Ziehe ab von mir deinen Stab, laß deine Schrecken mich nicht ängstigen: reden wollt ich und dich nicht fürchten ')! „Was hast du Unrechtes an mir gefunden, daß du mich verstoßest, nicht einmal neben dir ungekränkt duldest? Gerechtigkeit walte im Stteite, und nicht Bevorrechtung, wie im Leben!" — Es pflegen rationalistische christliche Schriftsteller in dem Vergleiche zwischen Mosaismus und Christenthum sich die Freiheit herauszunehmen, je nach ihren subjektiven Ansichten von dem höchsten Ideale einer reinen Religion, dieselbe trotz den Widersprüchen des Schrift- und Kirchenglaubens dem Christenthume die erhabenste Höhe und die größte Vollkommenheit, fern von allem Menschlichen und Gebrechlichen vindiciren: was sich in den Evangelien dagegen sträubt, wird als Zeitliches, das der Stifter accommodationsweise aufnahm oder noch besser, als jüdisches Element das noch in dessen Lehre hineinragte, dargestellt und ausgeschieden, was hingegen sich in den Schriften des sogenannten A. T. des Erhebenden und Beseligenden findet, wird als Vorahnung des Christenthums dem Mosaismus entzogen und als christliches Gut, mit dem die Juden nicht umzugehen wissen, in Beschlag ge- I) Lob 9 , 34. 35.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.