Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 251 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Acformbcstrebungen und Emancipation. 251 wachende Staat will nicht Veranlassung zur Verletzung des jüd. Rituals geben, fühlt sich vielmehr, obschon er die Synagoge sonst völlig ignorirt, doch verpflichtet und berufen, irrthümlich, aus Rücksicht gegen ihre Vorschriften die Juden der Militairpflicht zu entbinden, um hinterher mit einer übertriebenen jüdischen Orthodoxie den christlichen Druck zu beschönigen. Halten endlich alle diese Gründe nicht Such, so kommt ein anderes Manöver an die Reihe. Die Juden werden mit Lobeserhebungen und Liebesversicherungen überschüttet; man hält es im Sinne des Christeuthums und des Rechts für billig und gut sie zu emancipiren, aber man darf ja das Gotteswort, das heißt vox populi oder richtiger vox infimae plebis nicht überhören! Die öffentliche Meinung, heißt es, ist nun einmal gegen die Juden und würde durch deren Begünstigung das Volk gereizt, so würde ihnen ja in der besten Absicht mehr Schaden als Gewinn bereitet werden. Und hat sich auch hier und da die öffentliche Meinung günstiger ausgesprochen so ist man für die Sicherheit der geliebten Juden viel zu besorgt, um sich dadurch bestimmen zu lassen. — Um aber doch sein Wohlwollen thätlich zu beweisen, und zwar ohne dadurch bei der eingebildeten vox populi anzustoßen, gibt man sich zu dem traurigen und säuern Geschäfte her, das hartnäckige Volk der Juden unaufhörlich und unermüdlich zu erziehen, es aus dem schlammigen Sumpfe, in welchem man es zu finden beliebt, zu den ätherischen Himmelshöhen der Vollkommenheit, in denen die christliche Welt sich wiegt, empor zu heben, ist aber so pädagogisch gcwiffenhaft, daß man sein edles Erziehungsgeschäft stets nur bescheiden als einen Versuch, nie als vollendet zu betrachten wagte. Mittlerweile wird die ungünstige vox populi durch das beschränkende und ehrenkränkende Gesetz immer neu hervorgerufen und wo sie eristirt sanctionirt; und von gewissen gottesfürchtigen Eiferern wird der Glauben an dieses Gotteswort immer feurig angeregt, die Flamme beständig angeschürt und unterhalten, daß sie nicht erlösche. Nun wird dieses Gotteswort jnterpretirt, aus ihm von Neuem die Beschuldigung destillirt und — wer das Lied nicht weiter kann, der fängt es wieder von vome an. So werden die Seufzer und Bitten der Juden unter Liebesküffen erstickt. Hier erscheint der Egoismus als freundlicher Fuchs. Weist man auf Frankreich und Holland hin, so fühlt sich Deutschland in seiner Tiefsinnigkeit, Gründlichkeit und umsichtigen Weisheit viel zu erhaben, als daß es von jenen Staaten etwas lernen könnte. Doch würden wir, in so weit sich der Tadel nur auf unsere Person erstreckt, die Entwaffnung desselben der in der Zeit langsam aber sicher schreitenden Macht der Wahrheit überlassen und in immer 19*