Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 7 (Oktober 1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 250 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744866--0281-2745225- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
250 Rtformbcstrebungen und Emancipation. haß und der unheilige Geist der Ausschließung, diese Trinität erhielt sich trotz der Aufklärung sattelfest, und erfand hundert neue Stützen sich zu behaupten. Und man muß gestehen, der Scharfsinn war erfinderisch genug, durch unzählige neue Gründe das alte, liebgewordene Vorurtheil zu verewigen, so entgegengesetzt und sich gegenseitig aufhebend sic auch sind. Nicht in der christlichen Kirche sollte nunmehr das Hinderniß der Emancipation liegen, denn sie soll ja Liebe und Duldung predigen; sondern im Character oder im Glauben der Juden sollte der Anstoß gefunden werden. Den Einen sind die Juden ein Auswurf der Menschheit, ein unverbesserliches Volk, und was dieser Annahme widerspricht, wird als Ausnahme, als christliches Element betrachtet, und wenn die ganze Wirklichkeit offenbar die Verläumdung Lügen straft, so hilft die erträumte, grausenhafte, geheime Tradition eines Ghillani und Daumer nach, deren liebevolle Christenseelen, allein eines so erfinderischen Talentes fähig, den Psychologen ein Problem zur Lösung bieten. Diesem ganz entgegengesetzt argumentiren Andere, und zwar Abgeordnete der Kammer (wovon wir Zeuge sind) aus den unläugbaren Tugenden der Juden, als der Mäßigkeit, der Keuschheit, der Unterthanentreue u. s. w., daß ihre Lage keinesweges eine drückende sein könne, weil sich solche Tugenden unter dem Drucke nicht ausbilden noch erhalten könnten. Anstatt also von dieser Erscheinung auf die Vortrefflichkeit ihrer Religion zu schließen, kehrt man den Schluß um, läugnet das Factum des Druckes, um — sie ferner bedrücken zu können! Die Einen möchten die Juden von Herzen gern emancipiren, allein sie fiirchten von dem Scharfsinn, der Betriebsamkeit und Genügsamkeit derselben überflügelt zu werden und es wäre dann um ihr ganzes Bischen christliche Nahrung geschehen: wie sollte man aber eine Minorität zum großen Nachtheilc der Mehrzahl dieser gleich stellen? Das hieße wohl die Gerechtigkeit zu weit treiben: besser daß die Juden Unrecht leiden, als daß die Christen sich Unrecht thun. Die Andern möchten ebenfalls die Juden herzlich gern emancipiren, aber sie befürchten das Gegentheil, die Verarmung der Juden durch die Emancipation; wollte man sie von ihrem bisherigen Erwerbe ab- und zu bürgerlichen Gewerben erziehen, so könnten sie wegen ihrer Sabbathe und Feiertage den christlichen Concurrenten nicht Stand halten und müßten verarmen. Es ist demnach Pflicht, die Juden aus christlicher Liebe in ihrem eigenen Interesse, von einem unüberlegten Vorhaben abzubringen. Ihnen vollends Staatsämter verleihen, wäre höchst unchristlich; denn diese brauchen nicht Rücksicht auf die jüd. Sabbathe und Feiertage zu nehmen, und der mit zarter Sorgfalt über das Seelenheil der Juden