Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-09-01 · 6 (September 1844) · p. Seite 245

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
6 (September 1844)
Date
1844-09-01
Page
Seite 245 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744865--0273-2745216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recenflonen. 245 und erforschen mit ihm den Entwickelungsgang der jüdischen Geschichte in dem zweimaligen Staatsleben, um zu erkennen, wie die mißverstandene Nationalität sich herausgebildet (S. 38 ff.). „Vor dem ersten Eril, während welchen ganzen Zeitraums der Mosaismus in seiner einfachen gesetzgebenden Form mehr oder minder zur Erscheinung gekommen war, war der Staat und die Staatsverfassung das überwiegende und vorherrschende Element, in welchem die Religion aufgegangen (!) und gleichsam absorbirt war... Die Religion hatte keine andere Hülle als den Staat, ihre Manifestationen waren Erfüllung staatsgesetzlicher Bestimmungen. Die Staatsgesetze gaben sich für das aus, was sie waren, hatten nicht nothig zu ihrer Empfehlung ein religiöses^Gewand und einen religiösen Charakter von der Religion zu borgen. Gott war der Gesetzgeber; ein besserer Verpflichtungsgrund ist nicht denkbar." — Der Verfasser citirt hier Jost, und wir waren anfangs erstaunt, daß Jost, der Historiker, dem Wahrheit und unparteiische Beurtheilung der Geschichte unverletzlich sein muß, sich gegen die erste Regel des Geschichtschreibers, die Quellen vorurtheilsfrei zu erforschen und nicht nach subjektiven Tendenzen und zu erzielenden Resultaten ihnen Gewalt anzuthun, sich versündigt und ignorirt haben sollte, daß gerade vor dem ersten Eril der Mosaismus fast gar nicht zum Bewußtsein gekommen, die Religion nicht, wie sich unser Verf. sonderbar genug ausdrückt, im Staate aufgegangen, sondern vielmehr fast ganz untergegangen, und weder ihren Geboten gehorcht noch Gott als deren Gesetzgeber anerkannt wurde. In der That sagt aber auch Jost (3. Th. S. 5 ff.): „Der Mosaismus hatte schwache Wurzel vor der Einsetzung der Könige gefaßt, und war durch das Königthum auch nicht herrschend geworden." Vor Jost aber hatten es schon die Bücher der Richter und Könige gesagt, und die Propheten deutlich genug ausgesprochen und getadelt, weil sie eben die vielgerühmte Fähigkeit der zehn Stämme ahnten und fürchteten. Der Verfasser hätte mithin statt aus Jost seine Behauptung fälschlich herauszudeuten, mit leichter Mühe ohne irgend einen wissenschaftlichen Aufwand das Gegentheil aus der Bibel herauslesen können. Doch vielleicht haben die Propheten ihr Zeitalter und ihre Aufgabe eben so wenig gekannt, wie die Rabbinen die ihrige, nach unserm Vers.; denn ein mehr als wissenschaftliches Mißtrauen gegen jede mißbehagende Autorität und selbstgefälliges Vertrauen zur eigenen Ansicht und zu Allem, was in ihren Kram paßt, sind in diesem Werke unverkennbar. Bei einem geringern Grade von Umgehung der Wahrheit hätte der Verf. eingestehen müssen, wie wenig der Mosaismus damals gekannt, wie er vollends den zehn Stämmen entrückt war, die das geheiligte Erinnerungszeichen, den Tempel, in welchem sich gleichsam der Mosaismus personificirt hatte, von sich gestoßen; und war er ihnen nicht sowohl im Staate als im Götzendienste aufgegangen, so mag wohl das von ihnen gegebene Beispiel der Aneignung fremder Rationalitäten Manches von seiner Großartigkeit verlieren. Doch der Verf. führt weiter wirklich an, was sich in Joffs Geschichte findet, denn nun hat er in Jost seinen Stützpunkt:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.