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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-09-01 · 6 (September 1844) · p. Seite 235

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
6 (September 1844)
Date
1844-09-01
Page
Seite 235 (sequence 29)
Language
German
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Bericht über Synagoge und Schule. 235 gänzlich ausgeschlossen sind, da in deren Gesellschaft die christlichen Freunde sich unbehaglich fühlen könnten. Diese legen aber auch eine Erkenntlichkeit an den Tag, wie sie von den ungalanten hinter der Zeit häufig zurückstehenden Juden nicht zu erwarten ist: sie zerschneiden in angenehmer Zerstreuung kostbare Ueberzüge, beflecken andere Möbel, zerreißen Vorhänge u. s. w. Die Dame legt nichts destoweniger ein Zeichen ihrer wahren Hochherzigkeit ab, indem sie einige Zeit hierauf wieder einen Ball veranstaltet, von dem sogar die jüd. Familienglieder, die an dem frühern Theil genommen hatten, ausgeschlossen bleiben; wahrscheinlich hatte sie an deren stummen und sich nicht durch Thaten äußernden Dankbarkeit keinen Gefallen gefunden. Nach den neuesten Vorfällen bleibt dieser Dame (der ihr Gatte ganz zu Gefallen lebt) nichts Anderes übrig, als daß sie den nächsten Fasching ihre geräumigen, glänzend decorirten und beleuchteten Säle und die reich besetzten Tafeln ihren christlichen Gästen zur Disposition stelle, und sich selbst in bescheidener Demuth von der Unterhaltung ausschließe, da sie wahrscheinlich nun belehrt worden, daß sie trotz ihrer vornehmen Verachtung der Juden und des Judenthums als Jüdin betrachtet werde. — Und dieser Kosmopolitismus, diese edle Schaam sich zu den Glaubensbrüdern zu bekennen, wuchert natürlich als reiches Erbtheil in den Gemüthern der Kinder fort, die den aufgeklärten Eltern die frohe Aussicht auf das Gedeihen des so emsig Ausgesäeten zeigen. Und wie kann es auch bei ihnen sich anders gestalten, denen so auffallend durch Wort und That Entfernung'und Entfremdung gelehrt wird? Wenn schon die Eltern, deren frühere Jugend in die Zeit eines streng religiösen Wandels fiel und der aufrichtigen thatkräftigen Theilnahme an dem Schicksale und den Interessen ihrer Glaubensgenossen, wenn sie, auf welche die Jugendgewohnheit und ehrerbietige Scheu vor dem Beispiele und den Lehren verstorbener Ahnen noch einigen Einfluß üben dürfte, sich es als Ehre anrechnen, die jüdische Abkunft nach Kräften zu verwischen und ihrem Leben die möglichst christliche Uebertünchung zu geben: zu welchen Hoffnungen berechtigen die in solchem Geiste Großgezogenen? Und in der That übertreffen sie noch größtenteils die elterlichen Erwartungen! Des Reichen Sohn begnügt sich nicht mit der ruhigen Uebertretung des Glaubens: er will von Jud' und Christ zugleich bemerkt sein; von ersterem um ihm seinem Hohn zu bezeugen, von letzteren! um Lob für seine Aufklärung zu erndten. Und wie witzig weiß er die Alten mit ihrer obscuren Observanz zu bespötteln, mit welcher Ironie macht er in Gegenwart des Vaters sich über den Großvater lustig, mit welcher erhabenen Selbstvergessenheit er mit Christen über Juden schimpft und bestrebt ist es den ärgsten Judenfeinden zuvor zu thun. Er gehet auch nicht spazieren an Orten, wo er fürchtet Juden zu begegnen, sucht überhaupt jedes Zusammentreffen mit ihnen zu vermeiden) grüßen sie ihn, so bemerkt er es nicht, damit er sich ja nicht etwa als Jude verrathe. Hingegen ist er beeifert, daß das ganze Air, der luftige Gang, die feinen parfümirten Glace-Handschuhe, die ästhetische Haltung, die frappante Ungezwungenheit, die geckenhafte Süffisance den Sohn

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