Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 6 (September 1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- Seite 234 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Bericht über Synagoge und Schule. die wir bisher den christlichen Einwohnern gegenüber einnahmen, so wie über die Stellung, die wir dem Judenthume angewiesen, Nachdenken. Der erste Blick fällt auf die Reichen, da bei uns, leider, Reichthum und Einsicht, Gold und Aufklärung, Silber und Weisheit, Geld und Gelehrsamkeit identisch sind. In Prag gibt die Materie den Geist, bildet und beherrscht sie die ganze Schöpfung, bedarf sie weder eines platonischen Architekten noch eines aristotelschen Anordners, sie ist nicht eine rudis indigestaque moles, sondern herrscht von dem Olymp aus; in ihr ist alles Wissen und Erkennen concentrirt. Und vor dem Materiellen bückt sich Alles: die Scala für Werth und Unwerth, für Verdienst und Verdienstlosigkeit ist der Grad des Geldbesitzes: der Arme beugt sich vor dem Reichen mit der innern Ueberzeugung, daß dieser groß sei (die Reichen werden in unserer Vulgärsprache die Großen genannt) und er — der Arme — zu den Wichten gehöre. Dieser Weihrauch wird als ein schuldiger Tribut angenommen, und wird zugleich dem armen Juden das Judenthum überlassen, dessen der Reiche als Herr der Schöpfung — der Materie — nicht bedarf. Wohl gilt dieses nicht von Allen, und wir erkennen mit Freuden die Verdienste und den frommen, biedern Sinn mancher Edlen an, die fern davon durch den Geldbesitz dem Glauben und den Glaubensgenossen entfremdet zu werden, durch regsames Streben und bedeutende Opfer jedes fromme Unternehmen unterstützen und befördern; doch gehören die Großen par excellence nicht zu dieser Ausnahme. Als man keine Opfer scheuend das Gotteshaus den Anforderungen des Zeitgeistes entsprechend einrichtete, schmeichelte man sich mit der Hoffnung, auch die Großen würden es besuchen, um sich doch wenigstens nicht in den Augen der Welt lächerlich zu machen. Doch wie thöricht! Wozu soll der Reiche an eine Welt außer sich denken, da er doch seine Welt in sich trägt? Oder soll er etwa die überredenden und begeisterten Worte des Predigers hören? Er hat etwas, das überredet und begeistert und die Gemüther gewinnt, den Verstand überzeugt, die Vernunft befriedigt und der Inbegriff alles Höhern ist. — Aber dieselben Materiengötter die hier so starken Geistes sind, steigen herab von ihren hohen Sitzen und erniedrigen sich durch ein erbärmliches feiles Kriechen, wo es einem Anschmiegen an Christen und Christliches gilt. Daß sie hierdurch Nichts gewinnen, daß sie selbst mit Aufopferung ihres göttlichen Theils sich keine Freunde unter den Christen erwerben, die hinter ihrem Glücken sie auslachen und von ihnen, wie Zelter in einem Briefe an Göthe über einen berliner jüd. und sogar als Gelehrten sich gerirenden Bankier, nur ihre guten Weine zu rühmen wissen, daß sogar diese christlichen Freunde die tiefste Verachtung gegen sie hegen und neuen Stoff zum Hasse und zum Neide in dem Reichthume finden, den die jüdische Großthuerei vor ihren Augen entfaltet, konnten unsere Großen, wäre wirklich Geist und Einsicht der Materie inhärirend, schon lange vor den bitteren Erfahrungen der neuesten Zeit wahrnehmen. Wir wollen in Erinnerung des facta loquuntur nur eine hier allgemein bekannte Thatsache anführen. Eine große jüd. Dame arrangirt einen Ball, von welchem Juden fast