Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 6 (September 1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- Seite 233 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. 233 Straßen; es galt nicht, wie schonend berichtet wurde, den Fensterscheiben, sondern den Bewohnern, deren Leben in vielfacher Weise gefährdet war, und die in den innersten Winkeln der Häuser sich verbargen: „und wäre nicht der Ewige mit uns gewesen, als Menschen über uns aufgestanden, sie hätten uns lebendig verschlungen." Ja wir sahen schon die Scenen des Mittelalters fich erneuen, die Raub- und Mordsucht waren gegen uns losgelassen: Männer, Frauen und Kinder durchzogen heulend und gegen Juden wüthend die Straßen. Welche Zeit wir damals verlebten? Die Sprache hat keinen Ausdruck dafür: wir können unfern Zustand nur mit den kräftigen Worten der Schrift schildern: „Du wirst geängstigt sein Tag und Nacht und wirst dein Leben nicht sicher glauben; des Morgens wirst du sprechen: wer ft'chrte doch den Abend herbei, und des Abends: wer doch den Morgen brächte, vor der Angst deines Herzens die dich quält und vor dem Blicke deiner Augen;" und vielfach spricht sich der Wunsch aus, daß sie sich eher schließen mögen, als nochmals solche Auftritte erblicken. „Sie wollen die Juden umbringen" wiederhallte es in allen Häusern, und in welcher Angst schwebten wir für unser Leben und für das unserer Familien! Hier gaben nicht aufgestellte Maschinen und jüd. Fabrikherren die Veranlassung: eine Empörung der Eisenbahnarbeiter regte den Pöbel auf, und er stürzte wie bei den Vorgängen des Mittelalters über die Juden her. Die Behörden schritten nun kräftig ein; man hat von mancher Seite ihr gelindes Verfahren bei dem frühem Auftuhr ihnen zum Vorwurfe gemacht, doch danken wir der Vorsehung, daß unsertwegen nicht Blut geflossen, und der Fanatismus nicht Nahrung in der Vorstellung erhalten, daß Christenblut wegen Juden vergossen ward: denn welche blutige Sühne hätten nicht noch die spätesten Nachkommen dafür abtragen müssen. — Die traurige, aus unserm Gedächtnisse gewiß nie schwindende Nacht vom 10. Juli endigte; doch was brachten uns die folgenden Tage? Der Pöbel, diese wilde Furie, war losgelassen, Wogen, die schäumend aufsteigen, aber wieder bald in Schaum zerstieben; der besser gesinnte Theil, wenn auch uns gerade nicht geneigt, wird, da alle Zügel der Ordnung sich zu lösen droheten, zu uns halten: so glaubten wir annehmen zu dürfen. Aber wie groß war das Erstaunen, als mehrere hundert Bürger eine Demonstration zu Gunsten des Pöbels machten, und in einer Bittschrift an die Regierung darauf drangen, daß die Juden wieder in die Judenstadt zurückgewiesen und die mittelalterlichen Beschränkungen ihnen aufgelegt werden. Es drängt sich vielfach die Bemerkung auf (welche durch manche andere Anzeichen bestätigt wird), daß viele dieser humanen Petenten ihre Hand bei jenen Unruhen im Spiele gehabt, und es ist vorauszusehen, daß die Regierung ihre loyalen und menschenfteundlichen Gesinnungen nach Verdienst würdigen wird. Hoffen wir zu dem Allgütigen, daß er uns Sicherheit und Frieden verschaffen und nach seiner Verheißung uns nicht erschlaffen und nicht verderben lassen werde. Wir sollen nun aber als denkende Menschen wohl solche Erlebnisse zur Belehrung für die Zukunft benutzen, und uns vor Allem über die Stellung,