Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 6 (September 1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- Seite 232 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Bericht über Synagoge und Schule. wurde stets die Hoffnung gehegt und hegen wir sie noch, daß unsere milde Staatsregierung wenigstens allmälig unsre Bürde erleichtern und unsere begründeten Ansprüche auf Recht und bürgerliche Gleichstellung sich erfüllen werden. Daß man hierorts von christlicher Seite selbst die Vergünstigungen (Rechte kann man sie nicht nennen, da sie kaum hinreichen, um durch einen anständigen Erwerb das Leben zu fristen; so darf z. B. kein jüd. Handwerker sein Gewerbe in der Christenstadt treiben, ist der Jude in seinem Handel größtenteils auf den Tandelmarkt beschränkt, wobei er noch von der großen Judensteuer fast erdrückt wird), daß man also selbst die Vergünstigungen mit scheelen Augen ansah, konnte uns genugsam belehren, welche Gesinnungen man gegen uns hege, und wie häufig hatten nur zu jeder Zeit Gelegenheit in den Berührungen des Geschäfts- und Privatlebens die trübsten Erfahrungen zu machen, und auf welcher niedern Stufe der Bildung selbst Viele aus dem höhern Kaufmanns- und Mancher aus dem Gelehrtenstande sich befinde. Was bedarf es also noch der Erwähnung oder gar der Schilderung, wie es sich in den unteren Volksklassen verhalte? Diesen, überhaupt an sich sehr roh und unwissend, und bei denen sich überdieß die Einwirkung eines dumpfen Fanatismus geltend macht, ist Judenhaß und Ausübung einer Tücke an dem Juden Lebenselement, unb auf einen Juden unbemerkt einen Stein werfen oder ihm Schimpfwörter Nachrufen ist unsrer christlichen Gassenjugend das zweite Alphabet. Die Regierung hält mit starker Hand frevelhafte Versuche nieder, (wobei freilich durch Schule und Belehrung besser nachgeholsen werden sollte); und wenn, wie oben erwähnt, die Angriffe von Kanzel und Katheder bei uns selten Vorkommen, so liegt einzig und allein die Furcht zu Grunde, die Juden würden bei der Behörde Schutz suchen und ihn auch finden. Doch es versuchte endlich Pöbelwuth und der lang genährte Haß die Schranken zu durchbrechen, und mit der Blutgier des Raubthiers über die Juden herzufallen. Bekannt ist, daß materielle Mißverhältnisse den ersten Anstoß gaben, die Aufstellung nämlich einiger Maschinen, die mehrere Arbeiter brodlos zu machen drohete. Diese Erscheinung böte an sich nichts Neues dar; sie gehört mit zu bcn Auswüchsen und Mißgestaltungen unsrer Zeit. Doch ist eine hier in Prag vielfach bewährte Erfahrung, daß gerade christliche Arbeiter und Geschäfttreibende, die ihre Nahrung ganz oder zum Theile den Juden verdanken, am feindlichsten gegen dieselben gesinnt sind; und ist der Grund hierfür in der peinlichen Unbehaglichkeit zu finden, mit der der rohe, nur Judenhaß athmende Christ erfüllt ist, den das Geschick zwingt, dem Juden dienstbar zu sein. Die Arbeiter also, die sich schon lange danach gesehnt haben mochten, Gelegenheit zur Rache für ihr Mißgeschick zu finden und zugleich wahrscheinlich, obschon nur vag und unsicher, von communistischen Ideen ergriffen, traten zuerst gegen die Fabriken auf, und da die Fabrikherren jüdischer Nation waren, so ergoß sich ihre Wuth gegen alle Juden. Der Ausbruch wurde auf verschiedene Weift gestillt,^und man glaubte die Ruhe hergestellt; da traten am 10. Juli die verheerenden Fluchen aus ihrem Bette, der wildeste Aufruhr erwachte in den der Judengasft nahegelegenen