Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 6 (September 1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- Seite 231 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über Synagoge und Schule. m Bericht über Sgnagoge und Schule. *) (Fortsetzung.) Ehe Ref. in seiner Skizze fortfährt, will er mit einigen Worten der jüngsten nach allen Weltgegenden hin wiederhallenden Ereignisse Ln unserer Stadt erwähnen. Der Schlag traf hart und kam Vielen, die die gewitterschwüle Lust für milde freundliche Wärme nahmen, unerwartet; der Tieferblickende hatte schon seit langer Zeit eine trübe Ahnung, daß die grause Wolke sich entladen und die Wuth der gährenden und brausenden Elemente über unfern Häuptern ausbrechen werde. Wir nehmen nun mit Schrecken wahr, auf welchem Krater wir stehen; wir müssen nun unwillkührlich in den Abgrund schauen, den wir mit schönen Redensarten und erträumten Utopien früher gern verdeckten; der Schleier ist gelüftet, und wir blicken nun tief in unsere Verhältnisse sowohl gegen allsten als gegen innen. Und letztere Hinsicht ist es wieder, die den Denkenden etwas beruhigt, ihm einen kleinen Ersatz bietet für qualvolle Angst und augenscheinliche Lebensgefahr, für erlittene Unbilden und die Menschheit schändende Ausbrüche des niedrigsten Hasses und der Raub- und Mordsucht: die Augen wurden uns auch gegen innen geöffnet, wir lernten uns selbst kennen, einen Blick auf unsere Zustände werfen. Und sind auch die Arbeiter lässig und wenig aus einen Aufbau bedacht, und meinen die Bauherren, daß das Gebäude sich weiter selbst tragen und sie ferner ihrem seligen Schlummer sich überlassen, und ihrer Pflicht durch fromme Träume genügen können, und wähnen die Wächter, daß sie da seien für sich zu wachen, nach ihrer Muße die Stunden abzusingen, den Leuten zu sagen: hütet euch vor Einsicht in unser Amt und verlanget nicht Licht, wir wachen für uns und nebenbei für euch, „daß kein Schaden geschicht", und vermeinen sie daß die Stadt bewahrt sei, weil sie Jedernrann untersagen Feuer zu rufen und schon den Gedanken an Gefahr für sträflich erklären, wo sie nicht Gefahr erkennen wollen; ist ihr Auge gegen Oben gerichtet, ob nur einige Sterne am Horizonte ihnen leuchten, und lassen sie ihren Blick oberflächlich über die untere Welt schweifen, und wollen nicht merken wie an allen Seiten die Flamme ausbricht, und Jung und Alt und Glaube und Lehre und Gotteshaus und Schule verzehrt; so sind wir nun belehrt worden, daß es anders werden muß; der Orcan hat das stagnirende Gewässer bis in die tiefsten Tiefen aufgewühlt: und erwachen wir jetzt nicht, so gibt es kein Erwachen für uns. Ref. muß nochmals die staatlichen Verhältnisse kurz berühren, um den Faden, wie er sich in den letzten Tagen abgesponnen, aufzunehmen. Die Regierung achtet, wie früher bemerkt wurde, die confessionellen Verhältnisse, wenn auch unsere bürgerliche Stellung in vieler Hinsicht drückend ist. Darum *) Durch eine längere Badereise des Herausgebers wurde in der Redaetion des vorigen (August-) Heftes Manches versehen, und kam die Rubrik „Bericht über Synagoge und Schule" (so muß die Aufschrift S. 191 heißen) an den Unrechten Ort.