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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-09-01 · 6 (September 1844) · p. Seite 230

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
6 (September 1844)
Date
1844-09-01
Page
Seite 230 (sequence 24)
Language
German
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230 Tagesbegebenheiten. mit dem Namen Alexander, der nun mit den zärtlichsten Elterngefühlen zusammenschmolz, und auf dessen Haupt bei jedesmaliger Nennung der Kinder Segen herab erflehet wurde. — In solchem dankbaren Gefühle benannte ein Prager Jude einen ihm in den letzten Tagen gebornen Knaben, Alfted, nach dem edelmüthigen Commandirenden Böhmens, Alfted, Fürsten von W indisch - grätz. Dieser hohe Mann trat als Schutzgeist auf für die bedrohten Juden in den verhängnißvollen Tagen des vergangenen Juli. Und bleiben sie nach ihren Schrecknissen unvergeßlich, so soll sich auch die erhebende Erinnerung daran knüpfen, daß für Menschlichkeit und Recht begeisterte Männer ihre Fittige durch Gott über die hart Geprüften außbreiteten. Es wird häufig die Klage vernommen, daß die Achtung vor der Heiligkeit des Eides in sichtlichem Abnehmen begriffen sei und die Justiz zuletzt auf dieses Auskunftmittel werde verzichten müssen. Die Veranlassung hierzu mag nicht sowohl in dem frivolen Zeitgeiste, als in manchem von Staatswegen auferlegten Acte sich finden. Wenn der russische Jude, der in dem Lande, das er sein Vaterland nennen möchte, so vielen Anfeindungen zu begegnen hat, der von der Wohlthat des Gesetzes so gut wie Nichts erfährt) dessen Freiheit so manchen willkührlichen Bedrückungen ausgesetzt ist, dem so oft Recht sich in Unrecht verwandelt) wenn dieser Jude zum Soldaten genommen wird und den Eid, daß er treu dienen wolle, schwören muß, sollten da nicht Zweifel an der Gültigkeit solcher Zwangseide gerechtfertigt erscheinen? Wir wollen schweigen von der durch neuere Berichte mitgetheilten Absurdität, daß der Jude schwören müsse, auch wenn der Messias komme, nicht die Fahne zu verlassen: wie sollte er auch gern diese seine Heimath verlassen! — Einige philanthropische Blätter haben ein Zeichen jüdischer Feigheit darin erblicken wollen, daß die russischen Juden sich der Aushebung zu entziehen und über die Grenze zu entweichen suchen. Die guten Deutschen! was sie nicht Alles an Juden tadeln! Aber warum bedenken sie nicht, daß dieser Vorwurf auf sie zurückfällt? Die Augsburger Allg. Zeit. (Nr. 200.) erhebt Klagen über das von Preußen neuerdings abgeschlossene Cartel, da nun viele in Rußland wohnende Deutsche, die den rohen russischen Kriegsdienst nicht ertragen können, und daher über die Grenze flüchten, wieder ansgeliefert werden müssen. Freilich gibt der fromme Korrespondent als eine vorzügliche Ursache der Renitenz zum Kriegsdienste an, weil der deutsche Soldat keine Kirche seiner Confesston in den großen Entfernungen finde (!)) nun der Jude findet wieder keine Synagoge.

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