Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-09-01 · 6 (September 1844) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
6 (September 1844)
Date
1844-09-01
Page
Seite 229 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744865--0257-2745200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

TageSbegebenheitcn. 229 Tagesbegebenheiten. Welchen Ereignissen unsere Zeit entgegengeht vermag menschliche Berechnung nicht mit Sicherheit zu bestimmen; daß aber das Reich des Lichts gerade nicht an Umfang gewinne, hallt in vielfachem Echo uns wieder. Wir Horen Nachrichten aus katholischen Ländern, die die grausen mittelalterlichen Scenen uns vergegenwärtigen; der aufgeklärte Protestantismus ruft triumphirend aus: dieses sind T'haten des finstern Bigotismus, deren die Anhänger einer geläuterten Kirche nimmer fähig sind. Aber fehlt es dieser geläuterten Kirche an gleichverwandter Schilderhebung? Der Gustav- Adolph-Verein ging, seiner ersten Veranlassung nach, aus einem natürlichen Gefühle der Vertheidigung gegen Uebergriffe des Katholicismus hervor. Aber die Vertheidigung kehrt sich in Angriff um; und gegen Wen? Nicht gegen den Feind, den man wahrscheinlich wegen seiner Stärke scheut, sondern gegen den schwachen Juden. In Cassel hat ein Nebenzweig der Gustav- Adolpb-Verbrüderung sich mit Genehmigung der Staatsregierung in einen Verein zur Bekehrung der Juden umgewandelt: also ein neuer Kreuzzug und zwar in dem einzigen Lande Deutschlands, wo die Juden vollständige bürgerliche Freiheit genießen. So ist denn dieses die erste Folge des so pomphaft für Unterstützung leidender Glaubensgenossen sich ankündenden Vereines, dem beizutreten man von allen Seiten sich Beeilt und in ihm die trefflichsten Tendenzen wahrnehmen will. Welcher Eintrag durch die Cassel'sche Manifestation dem Juden geschehe? Es hieße den Menschen und die ihm nach dem gesetzten Ziele natürlichen Bestrebungen verkennen, hieße die Geschichte Lügen strafen und ihre Erfahrungen in Lügensagen umwandeln, wollte man in Abrede stellen, daß Bekehrungssucht Unduldsamkeit erzeugt und religiösen Haß, daß Bekehrer und Zubekehrende sich gegen einander in einem Kriegszustand befinden, daß Bekehrungen nicht immer mit den redlichsten Mitteln betrieben werden und nur zu häufig den Samen der Zwietracht und der Zerrüttung ausstreuen, und störend in den Seelen- und Familienfrieden eingreifen. Dieses also die Frucht des zu Ehren eines für Glaubensduldung gefallenen Helden gestifteten Vereins, gegen den Juden werden die Manen des großen Gustav Adolph herauf beschworen! * * * Man legt dem Juden häufig zur Last, daß er nur Geldwerth kenne, und in diesem sich alle seine Gefühle, selbst die der Dankbarkeit concentriren. Und doch wissen die Juden sich auf zarte Weise erkenntlich zu zeigen, und wird schon aus alter Zeit erzählt, daß, als der makedonische Alerander in Jerusalem einrückte, und Stadt und Tempel schonend behandelte, die Juden ihm ein Denkmal setzten, das mehr als Statue und Gedächtnißsäule von dem milden Eroberer erzählte: sie benannten alle in diesem Jahre gebornen Kinder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.