Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 6 (September 1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- Seite 228 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Reformbestrebungen und Emancipatiou. ihrer schlägedichten Haut sich der menschliche Egoismus abarbeite, bis er endlich an der uns so oft zum Vorwurfe gemachten beharrlichen Ausdauer und Erhebung über niedrige Angriffe, genannt „jüdische Zähigkeit" zu Schanden werde und es bestätigt sich uns auch in dieser Beziehung das Wort: in1« rvüN1? mW HD „ Was den Vätern begegnet ist, erfahren auch die Kinder." Es heißt Genes. 26, 13. 14. 16 Und der Mann (Jsak) ward sehr reich; er hatte viel Schaafe, Rinder und Ackerbau, da beneideten ihn die Philister, und der König sprach zu Jsak: Geh, du bist uns zu mächtig! Jsak war ein Fremder und mußte der Mißgunst der Einwohner weichen. Also entfalten auch gegen uns, seitdem wir unsere frühere Heimath verloren haben und fast zweitausend Jahre eine neue vergeblich aufsuchen, obwohl wir nicht mehr Fremde sind, die Philister überall ihre egoistische Mißgunst, die uns, sobald wir um Einlaß in den Staat, der uns äußerlich ausgenommen, anpochen, donnernd entgegen ruft: Bleib! denn du würdest uns zu mächtig. Dieser Egoismus ist privilegirtes Unrecht; er hat von Antiochus Epiphanes Raserei bis auf die neuesten Judenverfolgungen im Morgen- und Abendlande das Leben gebrandmarkt, von Apion's Verläumdung bis auf Ghillani's mörderische Träumereien die Literatur besudelt, und ist nicht selten das einzige Verdienst mancher Regenten und Völker gewesen. Er ist ein unheiliges Erbgut geworden, ein Einigungspunkt der Epigonen der politischen, religiösen und philosophischen Ansichten. Der Kosmopolit bewährt noch im Judenhaß seinen Patriotismus, der Demagog seine Anhänglichkeit an das Bestehende, der rationalistische Christ seinen Kirchenglanben, der autokratische Philosoph seinen Glauben an die Geschichte. Dieser Egoismus trat in der heidnischen Welt ungeschminkt und unverhüllt in der rohen Gewalt auf. Die Philister beneideten den Jsak, weil er ihnen zu reich ward; Pharao spricht: Wir wollen dem Volke mit List beikommen, denn es wird uns zu zahlreich und mächtig; Daniel sollte das Opfer des Neides, Mardochai und sein Volk das Opfer der Herrsch- und Rachsucht Haman's werden; Antiochus Epiphanes wüthet ohne irgend einen beschönigenden Vorwand als Herrscher, dessen Egoismus sich durch die Eristenz einer der Seinigen widersprechenden Religion verletzt fichlt, gegen den Mosaismus und will sich nicht eher beruhigen als bis er den Geist mit dem Leibe in Fesseln geschlagen habe. Hier erscheint der Egoismus als gieriger Tieger. (Fortsetzung folgt.)