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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-09-01 · 6 (September 1844) · p. Seite 227

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
6 (September 1844)
Date
1844-09-01
Page
Seite 227 (sequence 21)
Language
German
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Reformbestrebungen und Emancipation. 227 Emancipation Vorschlägen und gewaltsam durchzusetzen streben. Wie verträgt sich innere Reform mit äußerer Gewalt? Billigen wir solches Verfahren, was für ein Recht haben wir zu zürnen, wenn hier und da die Juden gewaltsam zu Bekehrungspredigten hingepeitscht werden? — Wenn wir selbst ehrlos und knechtisch unser religiöses Bewußtsein je nach den geltenden Philosophemen der Zeit gewaltsam modeln, um bei den Philosophen nicht anzustoßen, unsere Dogmen christianisiren, um den Theologen zu Gefallen zu reden, der Amalgamation zu Liebe Gebräuche aboliren oder modificiren, wenn wir bei erneneter Organisation des Gottesdienstes mehr den zweideutigen Beifall der Zuschauer als die Beftiedigung der Theilnehmer im Auge haben, wenn wir zur Erlangung weltlicher Rechte mit unsrer Religion mäkeln, zur Abwendung des äußern Dnrckes denselben nach innen kehren: haben wir dann noch ein Recht von Freiheit und Ehre zu sprechen, von Andern Freiheit und Ehre zu verlangen? Wollen wir in dem nachgeben, das allein unserm Streben eine edle, höhere Richtung, ein Achtung erzwingendes Gepräge geistiger Selbstständigkeit, geheiligten Sinnes fiir Wahrheit und Göttliches gibt; so ist das Ziel wahrlich kaum des Kampfes werth. Aber diese verwerfliche, schmiegsame, unfteie Halbheit muß auch statt zu ihrem Ziele zu gelangen, uns in den Augen unserer Freunde und Verfechter nur herabwürdigen, während trotz allen unselbstständigen Nachgebens einseitigen Staatsmännern, Philosophen, Theologen, Krämer- und Handwerkszünsten es doch nimmermehr an Vorwänden zur Aufrechthaltung des verjährten Unrechtes fehlen wird. Wer den wahren Grund der Vorenthaltung unserer Rechte erkennt, der wird begreifen, daß gerade ihm die größte Beharrlichkeit entgegen gesetzt werden muß, daß er mit jeder unedlen Nachgiebigkeit unsererseits an Kraft gewinnt. Der eigentliche Grund unserer Leiden ist älter als unser Glaube; es ist der alles Gute hemmende, alles Böse erzeugende, leidige Egoismus, der wie der Gellertsche Hut je nach der Mode der Zeit Form und Gewand wechselt, bald als gieriger Tiger auf seine Beute losstürzt, bald als Wolf im Schaafpelze der Demuth und Liebe sie angrinst und bald als listiger Fuchs sie mit der fteundlichsten Miene in die Falle lockt. Wir sehen also, daß die vier Thiere im Traume des Daniel für die Wirklichkeit noch nicht ausreichen, und daß nicht abzusehen ist, wie vieler Thiere Druck wir noch zu ertragen und zu bekämpfen haben werden. Es scheint, daß so wie das Judenthum mit seinem einzigen Universalgott dem particularistischen Polytheismus den Krieg ankündigte, so auch die Jriden dazu bestimmt seien, daß an 17 *

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