Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 5 (August 1844)
- Date
- 1844-08-01
- Page
- Seite 202 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Allgemeine theologische Bibliographie. und sich freuen, daß ein so ehrenwerther Marrn einen so würdigen Biographen gefunden hat, dessen Geist sich Ln den erhabenen Höhen der Wissenschaft, dessen Phantasie sich in den blumigen Gefilden der Dichtkunst ein dauerndes Denkmal mannigfach gesichert, und dessen Herz, wie das unsers Büdinger's, mit ungetheilter Hingebung und Begeisterung seinem Glauben und seinen Glaubensbrüdern zugethan ist. Büdinger war, wie sich sein Biograph ausdrückt, ein „rechter" Lehrer des Glaubens in Israel, und darunter versteht er einen im Offenbarungsglauben feststehenden, der den Gott Israels und seine Lehre treu nach der heil. Schrift verkündete, gegenüber den „schlechten" Lehrern, welche die Offenbarung zu einer bloß antiquirten Vorstellungsweise des Selbstdenkens, also zu einer Unwahrheit machen, und in modern philosophischer Selbstvergötterung der Sittlichkeit und Freiheit den sichern Boden entziehen. Dies ist um so verdienstlicher, da das Jünglingsalter Büdinger's gerade in die nivellirende Periode der rationalistischen sogenannten Mendelssohn'schen Schule fällt, in welcher eine solche Erscheinung zu den Seltenheiten gehörte. Vorliegende Biographie nun, nach einem, mit seltener Treue und Strenge gegen sich selbst abgefaßten Tagebuche Büdinger's läßt uns einen Blick in das vielbewegte Leben, das mühsame autodidactische Streben und das edle, treue Wirken dieses Mannes nach endlich errungenem Ziele, so wie in seine kleinen Verirrungen, die sein zartes Gewissen nicht zu beschönigen gestattete, einen Blick werfen, um des Biedermannes sittlichen Werth und sein vom Glauben durchdrungenes Gemüth ganz würdigen zu können. Bezeichnend ist es unter Andern, wie ängstlich unser Büdinger in seinem Tagebuche die Worte wählt, und einige Mal, wo er sich bei Anlässen, die seinem Leben eine Wendung gegeben, des Wortes „relativer Zufall" bedient, gleich darauf sich selbst corrigirt, als hätte er sich an der Vorsehung versündigt. - Die Schrift gewinnt aber noch ein hohes Interesse durch die zahlreichen allgemeinen Bemerkungen, die der geistreiche Biograph einstreut, und besonders durch manche angeknüpste Betrachtung über Mission und Schicksal des Judenthums und der Juden. Wir schreiten zur genauem Inhaltsangabe. Das Buch zerfällt in vier Abschnitte. Der erste Abschnitt, als Einleitung vorausgeschickt, enthält in den drei Paragraphen: „Erziehungsmethode", „der Lehrer in Israel," „die rechten und die schlechten Lehrer" überschrieben, die. weitere Begründung der in dem Werke „Schiboleth" dargelegten Offenbarungstheorie des Verfassers, seinem hegelianisch, hochmüthigen Gegner gegenüber, auf welche der Vers, im zweiten Abschnitt §. 6 wieder zurückkommt, um die hegelianische Lehre, aus dem Begriffe allein sich seinen Gott zu construiren, zu widerlegen und zu zeigen, daß der hegelsche Gott nicht über den Menschen hinausreichen könne, und daß die hegelsche Notwendigkeit keine unabhängige, göttliche Freiheit, sondern ein heidnisches Fatum repräsentire. Es würde zuweit führen, uns hier auf die divergirenden Ansichten einzulaffen *), 1) Es wird in dieser Zeitschrift eine Beurtheilung der Religionsphilosophie des Judenthums des vr. S. Hirsch, von dessen eigenem Standpunkte aus, erscheinen.