Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 5 (August 1844)
- Date
- 1844-08-01
- Page
- Seite 200 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Tagesbegtbtttheitcn. Tagesbegebenherten. Gefeke. Prag. Mächtig sprechen die Zeichen der Zeit zu uns) sie schrecken uns auf aus den süßen Träumen von allgemeiner Aufklärung unb Duldung des neunzehnten Jahrhunderts, in welchem „Judenverfolgung" fast ein stehender Artikel in den Zeitungen geworden ist) sie ermahnen uns zum innern Frieden, zur Eintracht und innigen Verbrüderung; sie öffnen uns die Augen über die gefährliche, innere Zersplitterung durch Religionsstreitigkeiten und über das verwerfliche und doppelt verderbliche Treiben, in einer Zeit, wo wir des Trostes und der Erhebung so sehr bedürfen, an dem einzig Tröstlichen und Erhebenden, an dem Glauben zu rütteln und zu meißeln, sie waren die Leichtsinnigen und rufen ihnen zu: Wahret euern Glauben und gebet nicht treulos nach! ihr würdet den Himmel verlieren und auf Erden nichts gewinnen) nicht das Jüoenthum, der Jude ist der Sündenbock, gleichviel ob für Gott oder für Asasel! Noch sind die Vorfälle von Düsseldorf und Tarnow in frischem Andenken; noch sind die fanatischen Ausbrüche zu Geseke im Zunehmen, denn obschon die Untersuchung eingeleitet und 8—12 Individuen verhaftet sind, so müssen doch die Juden daselbst um so schmerzlicher die durch das Einschreiten der Gerechtigkeit gesteigerte Wuth des Pöbels empfinden (selbst der Vater des getauften Knaben, der sein von der Gerechtigkeit zurückerhaltenes Kind dem Pöbel wieder herausgeben mußte, bleibt nicht verschont); die Polizeibehörde, heißt es, ist nicht stark genug, und der Magistrat nicht energisch genug, um die Juden vor Mißhandlungen zu schützen. (D. A. Z. v. 15. Juli:) Noch sind die alten Wunden nicht vernarbt, da hören wir von der neuen Verfolgung in Prag. Sie gehört, wie die zu Breslau zu den indirecten, das sind solche, wo irgend eine mit der confesfionellen Verschiedenheit in keiner Berührung stehende Mißhelligkeit den unter der Asche glimmenden Funken boshaften Judenhasses und pöbelhafter Rohheit gelegentlich entzündet und sympatistrenden Bürgern Gelegenheit zur Entfaltung ihrer innern Gesinnung bietet. Die brodlosen Fabrikarbeiter in Prag begnügten sich nicht mit der Rache an den Fabrikanten, sondern da diese zugleich Juden sind, so sollen alle Juden bluten; die Bürger wollen einem so edlen Beispiele nicht nachstehen, sie gießen Oel ins Feuer, schüren es, und richten endlich eine Haman'sche Verläumdung gegen die Juden an den Kaiser. Damit aber auch der edelste Stand, der der Wissenschaft, nicht unbefleckt bleibe, predigt ein Gymnasiallehrer seinen Schülern statt christlicher Liebe den grellsten Judenhaß; und das während der Ercesse! Und die christliche Liebe? Ja die gehört vielleicht, wie vieles Andere, auch zum christlichen Staate, und geht die Juden nichts an. Man sollte es kaum glauben, aber die D. A. Z. berichtet es. Schritten die wackern Behörden nicht energisch ein, die christliche Liebe der Bürger dürste wohl wie die Polizei in Geseke erst nach den verübten Ercessen zur Besichtigung gekommen sein. Möchten doch wenigstens