Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 5 (August 1844)
- Date
- 1844-08-01
- Page
- Seite 196 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Die Beschneidung der Juden und Gefahrlosigkeit dieser Operation. weder Ahnen noch Vorzeit, sie respectirt weder Heiligthum noch Geschichte; vor ihrem zerstörenden und vernichtenden Principe gilt kein Ansehen der Person, kein Alterthum und kein Herkommen, und in der That ist schon durch diese Verdächtigungen bei einzelnen Individuen unserer Glaubensgenossen die Idee aufgetaucht: ob man nicht die Beschneidung unterlassen und dennoch Jude sein könne. Ich fühle mich daher als Jude und als Arzt verpflichtet, gerade die Gefahrlosigkeit dieser Operation, wenn sie von einem Arzte selbst, oder auch nur. unter dem Beistände eines Arztes von einem geübten Beschneider vollzogen wird, auseinander zu setzen. Um aber dem Volke ein möglichst getreues Bild der ganzen Procedur der Beschneidung zu verschaffen, muß nothwendiger Weise eine Beschreibung der Beschaffenheit des durch die Beschneidung zu beseitigenden Theiles der Vorhaut vorangehen, und da ich hier nicht für Gelehrte, sondern für das größere Publicum schreibe, so will ich sie in möglichst volksthümlichen und kurzen Worten geben '). Die zu verkürzende Vorhaut, welche die Natur ursprünglich zum Schutze der Eichel werden ließ, ist ein von der allgemeinen Hautdecke des Menschen entspringender dahin verlaufender Hautcylinder, welcher, namentlich bei noch zarten achttägigen Kindern, weder mit vielen Blutadern noch mit vielen Nerven begabt und daher auch bei Durchschneidung dieser Vorhaut der Schmerz ganz unbedeutend ist. Er umgibt die Eichel ungefähr so wie die Augenlider den Augapfel als bewegliche, häutige Scheide, welche im Innern mit einer fettigen Substanz versehen ist, damit der etwa zurückbleibende scharfe Urin die Eichel nicht beschädige, und vermittelst ihrer Schlüpfrigkeit die Vorhaut leichter sich vor- und zurückschieben lasse. Am Ende dieser Vorhaut ist eine Oeffnung, um sie über die Eichel zurückschieben und den Harn durchlassen zu können. Bei Einigen ist die Oeffnung weit, so daß sie leicht, bei Andern ist sie enger, so daß sie schwerer, oder oft gär nicht zurückgeschoben werden kann. Dies ist die Beschaffenheit im natürlichen Zustande des Theiles, der vermittelst eines Schnittes verkürzt wird. Aus dieser Bauart ist zu ersehen, daß diese Operation weder mit vielen Schmerzen verbunden, noch bei ihr starke Blutungen zu befi'rrchten, und sie demnach ganz gefahrlos sein dürfte. Auch besitzen wir eine große Anzahl Blut stillender Mittel, wovon ich nur als eins 1) Eine gänzliche Beseitigung der Vorhaut ist rituell nicht geboten, indem nach Joreh Deah §. 266 b. Rob Haatharah d. h. die Bloslegung des größten Thejls der Eichel genügt, worauf icb besonders aufmerksam macbe.