Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 5 (August 1844)
- Date
- 1844-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte über religiöse Zustände. 191 Berichte über religiöse Zustände. Schule und Synagoge in Böhmen. * Prag. Es gelangt, wenn nicht über die Judenstener oder die Sperre eines Gewölbes berichtet wird, nur selten etwas über unsere Zustände zur Oeffentlichkeit, und als im vorigen Jahre die Leipziger Allgem. Zeitung von h. Orts abverlangten Berichten der böhmischen Rabbiner zur Verbesserung und Hebung des Religionswcsens meldete, mußte der (nicht ohne Absichtlichkeit abgefaßte) Correspondenzartikel den meisten Lesern des Auslandes unverständlich bleiben, und hatte auch für das Inland nicht die beabsichtigten Folgen. Und so herrscht über und unter uns eine tiefe Ruhe, die, man weiß nicht, soll man sie eine gemüthliche oder eine gewitterschwüle nennen; ist sie der Ausdruck des nach durchgemachten Stürmen und Kämpfen errungenen Seelenfriedens oder der dumpfen, in Gedankenlosigkeit hinbrütenden Trägheit. Wir wollen Elfteres nicht behaupten, und sind zu weit von jeder Selbstüberschätzung cnssernt, als daß wir iir unseren religiösen und geistigen Bestrebungen eine solche Höhe erreicht zu haben vermeinten; aber ebenso wenig ist es, bei der dem Juden innewohnenden Lebhaftigkeit, bei seiner Theilnahme an den Bewegungen von außen, bei der Glut mit der er Wissenschaft und Kunst erfaßt und jede geistige Regung einen zur Flamme auöbrechenden Götterfunken in ihm entzündet, denkbar, daß unter uns kein Lebenssymptom sich kund thun, jeder geistige Llnfschwung erloschen, die religiöse Strebsamkeit unter einer jüdischen Einwohnerschaft von 8000—10,000 Familien ganz niedergedrückt sein sollte. Bieten vielleicht unsere religiösen Zustände nicht reichliche Veranlassung zur Besprechung, oder gehet uns die Gabe ab, viel von uns zu sprechen und sprechen zu machen, so können wir schon nach unserer numerischen Anzahl nicht als ganz bedeutungslos angesehen, können wir, den Norden Deutschland's mit dem Süden verbindend und den Nebergang von der nordischen Verstandeskälte zu der südlichen Gemüthswärme bildend, als ein wichtiges Mittelglied unter den deutschen Juden nicht übersehen werden; auch dürfen wir immer mit Recht sagen, daß wir an Bildung, an Schulen und religiöser Eiirrichtung nicht ganz znrückftehen, ja in mancher Hinsicht Anderen vorausgeeilt sind. Hiermit fei aber keinesfalls ein Schleier über unsere Mängel geworfen: dieser Bericht soll die jüdischen religiösen Zustände Böhmens nach ihren Licht- und Schattenseiten geben, nicht über den Werth erheben, nicht unter ihm verringern; nicht vor den Augen des Auslandes prunken, aber auch nicht vor ihm ängstlich und schüchtern zurückbeben: wir nehmen ohne rechts oder links