Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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164 TagtSbegkbrnhciten. zeigte es sich, daß jährlich 25,000 Pf. subftribirt werden für die Bekehrung der Juden zu Jerusalem, Hebron, Beirut, Constantinopel, Smyrna und wir wissen nicht, an noch wie vielen Orten. Wir möchten wirklich gern die Bilanzrechnung sehen und genau die Anzahl der bekehrten Juden wissen, damit wir den Marktpreis eines abgefallnen Juden erfahren. Wir sprechen unsere Besorgniß aus, daß dieses ein sehr theuer Lurusartikel ist: ein Paradies „für übermäßige Kosten." Es wird nun ein trauriges Bild von dem Elende der unteren Volksklassen Ln England entworfen, für die jenes Geld besser verwendet werden könnte) und es fährt hierauf der Correspondent fort: „Die Religion hat für Manchen größern Reiz, wenn sie einen gewissen romantischen Anstrich hat. Der moderne Missionär scheint Manchem so pittoresk, wie die alten Tempelritter. Er gehet zwar nicht hinaus, um die Ungläubigen zu schlagen; aber — glücklicherer Zustand unserer Zeit! um Proselyten zu machen. Er trägt weder Schwert noch Lanze; aber eine harte Kasse, welche das Herz der bedürftigen Juden umwendet, und er schreibt nach Hause: „eine Seele gerettet." Und so fühlt jede Dame, die eine Guinee zu dem heiligen Schatz beisteuert, sich erquickt und gehoben bei dem Gedanken, sie habe ihren Friedenssoldaten, der in Palästina kämpft. — Zugestanden, daß es manchem Philantropen nöthig scheine, seine Börse für die Heiden bluten zu lassen, so denken wir, daß man die Juden lassen könnte, wie sie sinh bis die anderen Ungläubigen bekehrt worden sein. „Herr, Madame! schaben bei der letzten Versammlung fünf P^und für Judenbekehrung gezeichnet, hier ist die Weltkarte: richten Sie Ihr Auge darauf. Hier ist der arme Eskimaur, verdammt zu Wallfischthran und einem seelenverderbenden Glauben — hier der rothe Mann — hier der Hottentot — hier der Neuseeländer — hier, Volk auf Volk und Stamm auf Stamm, alle in der tiefsten Finsterniß. Erleuchten Sie sie und dann wenn Sie noch Lust haben, fangen Sie bei den Juden an. Bis dahin, wir müssen es gestehen, haben wir mehr als eine spöttische Ehrfurcht vor einem Volke, das Moses zum Führer und Gesetzgeber hatte. Wir begegnen selten einem langbärtigen Rabbi, ohne daß er unsere Gedanken, hinleitete in die Ebenen Mamre's, zu den ersten Patriarchen der ersten Nation. Und Ihr, die Ihr die Juden bekehren wollet, merket Euch vorerst die große Tugend der Juden: „sorget für Eure eigenen Armen;" speiset und kleidet sie, und dann machet, wenn Ihr wollet, mit dem Ueberflusse Proselyten unter den Juden. So lange Elend Tausende unserer Mitchristen vor unseren Thüren aufreibt, betrachten wir die Beisteuer großer Geldsummen zu einer, zuletzt doch immer zweifelhaften Judenbekehrung als die Gabe eines elenden verdorbenen Egoismus; und wir bleiben bei dieser Meinung, sollte auch die ganze Bischofsbank ihre Silberzunge dagegen erheben."