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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-07-01 · 4 (Juli 1844) · p. Seite 163

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
4 (Juli 1844)
Date
1844-07-01
Page
Seite 163 (sequence 37)
Language
German
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Tagesbegebenheiten. 163 Tyrnau hatte seine Judenermordung, in Oedenburg stand noch in Maria Theresiens Zeiten der damals daselbst bestehenden Gemeinde ein solches Schicksal bevor: in Siebenbürgens Sachsenlande dürfen mit wenigen Ausnahmen Juden nicht wohnen, und haben also die schon im 15. Jahrhunderte eingewanderten Sachsen die Gewohnheiten des Mutterlandes beibehalten. Hingegen kennt der eigentliche Ungar weder Fanatismus, noch beherrscht ihn der weit berechnende und bedenkende und auf das hundertste Geschlecht calculirende Geist. Ein Coloman versagte den, mit dem am Rheine vergossenen Judenblut befleckten Kreuzfahrern den Durchzug durch sein Land und trieb sie mit Gewalt der Waffen zurück) Ungarn sah nicht die Metzeleien des Mittelalters, und rauchten in seinen Städten nicht Scheiterhaufen und kannte man weder Judennoch Ketzereerfolgungen. Darum schließet der ungarische Jude sich so enge dem Magyarismus an; nur gehet er hierin zu weit, daß er oft auch die höchsten und edelsten Beziehungen des Lebens in diesen Kreis hineindrängt, und Religion und wahre Bildung hintenansetzend in ungarischer Sprache und Gesittung seine alleinige Aufgabe und sein Ziel erblickt. Jedenfalls darf es ihm nicht verargt werden, daß er vom Deutschthume sich immer mehr lossagt. Der Ungar erkennt dankbar die Bestrebungen, sich zu einem wahrhaften Sohn seines Vaterlandes zu machen: der Deutsche hingegen wird nicht müde den Juden zurückzuweisen, mag er auch seinen Sitten sich hingeben, seine Literatur in sich aufnehmen und von seinen Dichtern begeistert sein, seine Sprache lieben und in ihr manches treffliche Product schaffen, mit seinen Fortschritten sich befteunden, auf seine Lehren horchen, seine Hochschulen besuchen, die Zahl seiner Gelehrten vermehren. Der deutsche Jude rollt den Stein des Sisyphus hinauf; glaubt er sich oben angelangt, so wird er entweder vom „christlichen Staat" oder vom „Germanismus" und was sonst jede Zeit gern gegen ihn erfindet, wieder hinuntergestoßen. > * * * Wir theilen aus dem englischen Punch or the London Charivari vom 18. Mai folgende humoristische Bemerkungen über die Missionsgesellschaften mit. Die Religion hat, wie die Liebe, ihre besonderen Günstlinge. Damen und Herren haben unter den verschiedenen Heidenvölkern ihre Lieblingsproselyten, gerade wie sie unter Vögeln und Hunden ihre Lieblingspapageien und ihre Schoßhündchen haben. Es ist ein alter und wahrer Spruch, das menschliche Herz muß Etwas lieben; daher ist es so schön zu bemerken, wie in dem balsamduftenden Maimonat Haufen von Liebhabern — wir meinen geistigen — die christallnen Stufen von Ereter Hall hinaufsteigen, um ihren Eifer für die Tausend und abermals Tausende von Meilen entfernt lebenden, in Finsterniß wandelnden Söhne und Töchter der Erde zu bezeugen... Wir haben gesagt, daß die Proselytenhändler (proselyte-mongers) ihre besonderen Lieblinge haben: unter diesen stehet das hebräische Volk in hohem Preise. Bei einer der letzten Versammlungen

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