Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744863--0183-2745124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tagesbegebcnheitcn. 161 lassung zu einem solchem Vannspruche selbst nach Baba Batra 9 a. nicht vor, da Herr L. annehmen mußte, daß trotz seiner Rechtlichkeit er doch nicht allenthalben bekannt sei) und da von den entferntesten Gegenden Geld herbeigesandt wurde, so kann er nicht mehr in die Kategorie der dort erwähnten TljTttS 'fcOJ gesetzt werden. Noch weniger konnten die Oberen und Vorsteher in Palästina, die hier selbst Partei sind, Zeugniß ablegen und einen Bannspruch aussprechen (vgl. Baba Batra 45 b. und Poskim)) endlich war sogar Herr L., da er einmal zur Rechenschaft aufgefordert wurde, schuldig sie abzulegen (vgl. Tur 3ore Dea e. 157). Doch finden wir auch hier eine gegründete Entschuldigung, (und sie ist gewiß bei der Ehrenhaftigkeit des Herrn L. das alleinige Motiv seiner Weigerung), daß bei der Rechtspflege türkischer Beamten und ihrer Habgier eine Veröffentlichung der ausgegebenen Summen sehr mißlich für die Empfänger jener Almosen sein dürfte. Hingegen müssen wir den Widerwillen mißbilligen, den Herr L. , gegen die Errichtung eines Spitals zu Jerusalem ausspricht, so wie daß man Sorge trage für die Heranwachsende Generation. Die Gründe, die derselbe vorbringt, sind sehr schwach und scheinen einen Mangel an practischem Blicke zu verrathen. Herr L. fürchtet, daß durch europäische, jüdische Aerzte sich der Geist der Unftömmigkeit und Nichtgläubigkeit verbreiten werde. Es gibt noch fromme und gläubige Aerzte) und überhaupt beschäftigt sich der Arzt vorzüglich mit dem Körperzustand und haben wir selbst in Europa noch wenig davon gehört, daß ein Arzt Proselyten zu machen suche. Es ließen und lassen die frommsten Rabbinen sich von Aerzten curiren) und stände dergleichen zu besorgen, so müßten sie doch nach Aboda Sara 27 b. den Tod vorzrehen. Hingegen gehet Herr L. zu leicht darüber weg, daß hinsichtlich des Missionsspitals zu Jerusalem diese Besorgniß leider! nur zu sehr begründet sei. Er meint zwar, daß kein rechtgläubiger Jude sich daselbst werde aufnehmen lassen, und die es gethan schon vorher schwach waren und durch der Missionäre gewöhnliche Verlockungen weiter verleitet wurden: aber warum nicht bei Zeiten Vorbeugen und durch das vorgeschlagene Gegenmittel den Schwachen zu Hilfe kommen? — Noch mehr dürste Herr Lehren sich im Jrrthum befinden, wenn er auf Deut. 33, 18. sich berufend meint, daß die Israeliten in Palästina sich nur frommen Beschäftigungen hinzugeben haben, und dafür von ihren außerpalästinischen Brüdern unterstützt werden. Auch hier verkennt er die Zeit: die Gaben nach Jerusalem werden blos als Almosen gespendet, weil die dortigen Juden bis jetzt keine Aussicht auf irgend einen Erwerbzweig hatten. Hingegen ist es ein allgemeiner Wunsch im Interesse dieser selbst, daß sie selbstständig würden und dieser Gaben nicht mehr bedürften: und da dieser Wunsch selbst in Palästina von Vielen gehegt wird (vgl. weiter Bibliographie) *), warum 1) Sir M. Montefiore bemerkt uns in einem Schreiben vom 17. Mai d. I. zu dem weiter zu besprechenden Werke: En le lisant vous trouverez les principes des habitants de Palestine et de leurs Rabbins, expliques par leurs Frankel, Zeitschrift. I. 12