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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-07-01 · 4 (Juli 1844) · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
4 (Juli 1844)
Date
1844-07-01
Page
Seite 140 (sequence 14)
Language
German
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140 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend in den Weg trete. Erhalten nun die Kinder eine solche elastische, wächserne Religion, was Wunder wenn sie nicht die Feuerprobe besteht, sondern schon vor dem Anblicke des heißen Kampfes schmilzt, und mit der Form auch der Inhalt verloren geht? Da mag sich ein redlicher Privatlehrer wohl sehr beengt fühlen, aber nicht so der Schullehrer. Er hat das Ganze vor Augen, soll nicht Rücksicht nehmen aus die Eltern, welche der Macht der Verhältnisse weichend von diesem und jenem Gesetze lassen; ihm ist es vielmehr geboten, ohne persönlich zu werden, die Schüler vor dem allgemeinen Zeitgebrechen zu warnen, sie mit Much und Kraft zu rüsten, daß sich nicht die Schwäche der Väter auf die Söhne vererbe, sondern Söhne und Enkel immer mit ftischer Kraft von Neuem ankämpfen, bis das Judenthum auch die Phase unserer Zeir überwunden haben wird, wie es so viele überwunden hat. Weit gefährlicher aber als die Schwachen sind die in ihrem Dünkel sich stark Wähnenden, und die nichts destoweniger sich an den Stein lehnen, der ihnen ein Anstoß werden muß. Sie dünken sich hoch erhaben über allen Ceremonialdienst, der nur für den Pöbel eine kindische Befriedigung biete: sie sind sich selbst genug; sind freie starke Geister; wollen auch ihre Kinder so stark wissen. — Sind sie es wirklich? An der Stelle, wo der heimische Glaube ausgezogen ist, da ist eine Lücke für fremden Aberglauben geworden, der sich ihrer bemeistert, und an die Stelle selbstständiger Gesinnung ist äffische Nachbeterei getreten. Von sich werfen sie die Fesseln, streifen ab die Bande des Gesetzes irm — sich wehrlos der Macht fremder Ausgeburten in die Arme zu werfen. Zu stolz sind sie, sich mit dem Tephillin und dergl. zu befassen; wie könnten sie auch solcher Werkheiligkeit, die noch dazu außer Mode gekommen, huldigen? Sie müßten sich ja vor den Dienstboten schämen! Zu aufgeklärt sind sie, um das jüdische Neujahr mit den veralteten Schofartönen einzuleiten; was sollten denn ihre Commis zu solch' leerem Ceremonienwesen sagen? — Aber die Starken schämen sich nicht am christlichen Ncujahrstage Blei zu gießen, denn das ist. moderner Aberglaube. Sie schämen sich nicht von der Tafel aufzustehen, wenn die böse Dreizehn zu Tische sitzt; denn das ist christlicher Aberglaube. Wir könnten leider diese Beispiele vielfach vermehren und würden es, wenn der Gegenstand nicht so unerfteulich wäre. Das Chanukkafest hat aufgehört ftir sie; sie mögen nichts wissen von den orthodoxen, steifen Makkabäern, die um einer Grille willen sich und die Ihrigen Preisgaben. Konnten diese nicht dem Antiochus folgen, und dabei ganz heimlich, wie sie, noch immer

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