Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 139 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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in unserer Zeit beschaffen sein? 139 Synagoge und Gebet zu verabsäumen und sich dafür mit den vierzehntägigen Weihnachtsferien zu entschädigen. — Ein Gedanke, der der Erkenntniß Gottes im Geiste des Judenthums, sei der Centralpunkt auch aller andern Lehrobjecte, und darf der Vortrag dieser mit jenem nie in Widerspruch gerathen und den Schüler zweifelhaft machen. Denn nicht nur der specielle Religionsunterricht, sondern aller Unterricht, namentlich der in der Geschichte und der Naturwissenschaft, soll zu Gott führen, ist Religion. Daher ist es von Wichtigkeit, wie unterrichtet wird, welcher Lehrbücher sich die Schüler bedienen, und bedarf in Elementarschulen die Lektüre besonderer Aufsicht. Vor Allem aber sei es den Eltern gesagt, daß in Religion nichts schädlicher wirkt, als Halbheit und Doppelgängerei. Mögen diejenigen, deren Kinder christliche Schulen besuchen, sich nicht von der thörichten Sucht für aufgeklärt zu gelten, oder von kriechender Schmeichelei verleiten lassen, ihren Kindern neben dem jüdischen Religionsunterrichte im Hause den christlichen in der Schule aufzudringen, was kein redlicher christlicher Lehrer gern duldet. Mögen sie doch die schönen Worte: „Aufklärung und Bildung" nicht mißbrauchen, um den Verrath zu beschönigen! Die neueste Zeit hat uns zur Warnung bewiesen, welche Folgen, trotz der vielgepriesenen Toleranz und Aufklärung, eine solche nur unter Juden anzutreffende, aus feiler Gesinnungslosigkeit entspringende Anomalie haben kann und gehabt hat. ') Was sie aber zur Folge haben muß, ist Jndifferentismus oder gar Abgeneigtheit vom Judenthum. Religion muß nicht als Wissenschaft, sondern als Norm des Lebens, erlernt werden: und ein Widerspruch im Unterrichte muß daher auch einen Widerspruch im Leben erzeugen. Eins und ganz muß aber auch sein das Verfahren des Religionslehrers gegenüber der elterlichen Erziehung; er lehre objectives Judenthum mit Männlichkeit und Würde, ohne sich von den Einwürfen charakterschwacher Modesklaven oder von den Prätensionen nachbetender Halbwisser und hochweiser Halbjuden irre machen zu lassen. Es ist traurig genug, wenn das elterliche häusliche Leben mit dem Schulunterrichte in Widerspruch steht; zumeist folgt das Kind mehr den Eltern als dem Lehrer, der That mehr als dem Worte; wo nicht, so entstehen Collisionen. Das fühlen allerdings auch die Eltern und wenden sich an Privatlehrer, mit welchen sie über das Was, Wie viel und Wie des Unterrichtes accordiren, daß er ihrem Leben nicht I) Die Vorgänge zu Gesecke in Westfalen find in Jedermanns Gedächtniß j» neu, als daß wir sic hier genau anznfuhren brauchten.