Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 138 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Wie soll der Religionsunterricht der israelitische» Jugend mag, so kann er doch keine Früchte tragen, wenn ihm Wärme und Begeisterung abgehen. Um diese zu erzeugen muß ihn Einheit dnrchdringen. Der Lehrer sei einig mit sich; er dars nicht hin und her schwanken zwischen Glauben und Freigeisterei, er muß von dem Gegenstände ganz durchdrungen und ergriffen sein; denn hier gilt gewiß das Wort: Nur was vom Herzen kommt geht zum Herzen. Der einfache, unbefangene Sinn der Kinder erspähet scharf jede Schwäche, jedes Schwanken, jede Unauftichtigkeit des Lehrers, und die glänzendste Beredsamkeit vermag nicht ihre Ueberzeugung zu gewinnen, wo sie in dem Lehrer selbst den Mangel derselben wahrnehmen; während auch der schmuckloseste, einfachste, aber auftichtig gemeinte Vortrag mächtig auf ihre Gemüther wirkt. Und vcrräth vollends das Leben des Lehrers einen Widerspruch mit seiner Lehre, so lernt der Schüler entweder den Glauben verachten, oder heucheln statt glauben; denn weit mehr bildet sich der Schüler nach dem Beispiele als nach der Lehre. Daher ist auch ein mit den Gesetzen des Judenthums übereinstimmendes Leben Grundersorderniß bei jedem jüdischen Lehrer (also nicht etwa nur bei dem ausschließlichen öffentlichen Religionslehrer), weil jeder Lehrer dem Schüler als Muster zur Nachahmung gilt und gelten soll. Einheit herrsche auch bei dem Schüler zwischen Lehre und That! Lehrt man z. B. von Gebet und Segensspruch (nmD)< so muß der Lehrer auch darauf achten, daß Gebet und Segensspruch zur Zeit und Gelegenheit nicht verabsäumt werden, sonst sind alle seine Worte von Dankbarkeit gegen Gott leere Declamation; lehrt man von Sabbath und Festtagen, so darf die Schule nicht selbst den Lehren dadurch widersprechen, daß sie am Sabbath geöffnet und am Sonntage geschlossen sei, wie dies in vielen Anstalten der Fall ist, wo am Sabbath unterrichtet, wenn auch nicht geschrieben wird. Wenn das Kind an jüdischen Feiertagen seinen gewohnten Arbeiten obliegt, in den christlichen aber die Lichtpunkte seines Lebens erblickt, so muß der Kindessinn natürlich vom jüdischen Gesetze ab und dorthin gezogen werden, woher ihm die Freude winkt; wenn es den jüdischen Sabbath in Worten den Sonntag aber in der That feiert, so muß dieser natürlich mehr Gewicht als jener bei ihm erlangen, y Lehrt man vomj Chanukkafeste, so zwinge man die Schüler nicht, an diesen Tagen über der Schule 1) Freilich ist es bedauerlich, daß in Ländern, wo die religiöse Toleranz noch nicht wie in Sachsen dahin gediehen ist. Jedem das Seine zu lassen, und die jüd. Schulen genöthigt sind an den christlichen Sonn- und Festtagen zu feiern, dadurch zu viel Vakanzen eintreten; aber dem wäre abzuhelfen, wenn die jüd. Schulen dafür die im Allgemeinen üblichen vielen Ferien abkürzten.