Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend die erhabene Einfachheit der Lehre zu schwächen geeignet wäre, gelegen sein? Wir können die Einkleidung mindestens dahin gestellt sein lassen. — Wir haben dieses beispielsweise angeführt, wie bei ähnlichen Erzählungen der heiligen Schrift zu verfahren. Daß eine solche Auffassung gestattet sei, sofern nur nicht Unglaube oder Läugnung der Wunder Grund oder Folge derselben ist, geht aus der Auslegungsweise des Midrasch's und Talmud's, so wie der spätem bedeutendern Commentatoren hervor. Man vergleiche die allegorischen Auslegungen des Midrasch Rabba (Genes. 16.) zu der Beschreibung des Paradieses mit den vier Strömen; desselben Auslegung der Worte: „Und sie hörten die Stimme Gottes, der lustwandelte im Garten" wo es (Bereschith Rabba 16) heißt: „Die Bäume säuselten ihm zu: Sehet das ist der Dieb, der gehandelt gegen den Willen seines Schöpfers," d. h. ihr Gewissen beunruhigte sie. Ebenso erklärt Abravanel' das Gespräch der Schlange mit der Frau bildlich; und daß überhaupt die Talmudisten der geistigen Auffassung der Schrift nicht abhold sind, zeigen viele ihrer agadischen und halachischen Erklärungen. Man beachte z. B. Tractat Rosch-Haschana Abschnitt 3 Mischna 8 die Erklärung zu Exod. .17, 11. und Numer. 21, 9. Nicht die Hände Mosts haben den Sieg über Amalek bewirkt, nicht die kupferne Schlange hat Genesung gebracht, sondern der Aufblick zu Gott und die Rückkehr zu ihm. Ebenso berücksichllgt der Talmud in seinen halachischen Bestimmungen mehr den Geist als den Buchstaben der Schrift. So erlaubten sich die Rabbinen den Ausspruch: ]ö "TiED “ijjiüHO rODn, weil es heißt: „Du sollst Dich freuen an Deinem Feste;" so enthoben sie die in ihrem häuslichen Kreise vielbeschäftigten und überhaupt der Aufbürdung vieler Ceremonieen ungeeigneten Frauen aller an eine bestimmte Zeit geknüpften Gebote '), und könnten viele Beispiele für unsere Behauptung angeführt werden. Der Lehrer versäume auch nicht, auf die geistige Auffassung und stets das praktische Leben berücksichtigende Anwendung der Schrift von Seiten der Talmudisten aufmerksam zu machen, und daß man solchen Männern auch da wo ihr Grund nicht so deutlich in die Augen springt, Vertrauen schenken müsse und ihre Aussprüche nicht leichthin verwerfen dürfe. Wenn sie z. B. das Verbot: „Du sollst nicht das Böcklein in 1) Daß die in der Gemara (Kidduschin 34«) angegebene Entlehnung dieses von der Mjschna ausgesprochenen Grundsatzes aus der heil. Schrift nur als versuchter Stützpunkt gebraucht wird, nicht aber als wirklicher Grund anzusehcn, ist leicht begreiflich.