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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-07-01 · 4 (Juli 1844) · p. Seite 131

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
4 (Juli 1844)
Date
1844-07-01
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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in unserer Zeit beschaffen sein? 131 beugen. Er wird z. B. erklären, daß wenn es heißt: Gott zürnt, dies nichts Anderes bezeichnen kann, als den tiefen Abscheu, den Gott, vermöge seiner Heiligkeit gegen jede Sünde hat, daß aber nicht im Entferntesten an einen menschlichen Affect dabei zu denken ist. Einer plumpen Auffassung widerspricht die Lehre von den Eigenschaften Gottes Erod. 34, 6. „Der Ewige ist allgnädig und allbarmherzig, langmüthig, von unendlicher Huld und Treue;" ihr widerspricht Deuter 8, 5. Und erkenne es in Deinem Herzen, daß wie ein Vater seinen Sohn züchtigt so züchtigt der Ewige Dein Gott Dich"; endlich widersprechen ihr die mit dem Begriffe von Gott nothwendig zusammenhängenden Pflichten gegen ihn, als deren erste nicht die Furcht, sondern die unbegrenzte Liebe zu Gott oft und nachdrücklich wiederholt wird, und die doch keinesweges einem Zorngotte entspricht. Auf diese Weise wird der Schüler nach dem talmudischen Grundsätzemin n*OT D*1N jlL^I nicht nur mit dem Ausdruck der heiligen Schrift vertraut, keinen Anstoß an der Anthropomorphie und Anthropopathie nehmen, sondern auch von einem Zorngotte und dergleichen Erdichtungen der Unwissenheit und Keckheit sich nicht einschüchtern lassen. Die Trennung des Ausdruckes von dem Inhalte muß sich aber weiter erstrecken; wir dürfen und sollen manche Erzählungen der heil. Schrift, wobei es ihr offenbar mehr um die innere Wahrheit als um die Einkleidung zu thun ist, der reifem Jugend als bildliche Darstellung bezeichnen; und wird mit der Beherzigung der Lehre gewiß hierdurch flir Geist und Gemüth und somit für stichhaltige Verehmng der heil. Schrift mehr gewonnen sein, als mit der buchstäblichen Auffassung der Erzählung mit allen ihren Details. So bietet z. B. die Erzählung vom Sündenfalle eine höchst würdige Darstellung des menschlichen Lebens.. Wir erblicken in dem ersten Menschenpaare das Urbild des ganzen Menschengeschlechts mit seinem schwankenden Kampfe zwischen Himmel und Erde und seinem öftern Unterliegen; es spiegelt sich uns in dem Bilde der Schlange, in der Darstellung ihrer Ueberredungsweise das zu allen Zeiten uns listig hintergehende von der Lüsternheit des Herzens bestochene Verstandesurtheil ab, welches das Gesetz möglichst hart, ja unausfirhrbar darstellt, ihm falsche Absichten unterschiebt, um es aus dem Wege zu räumen; wir finden in der darauf erfolgten Strafe den Zusammenhang der Unvollkommenheit des Menschen auf dieser Erde mit seiner Vergänglichkeit; und endlich in dem Ausspruche: „Im Schweiße Deines Angesichtes sollst Du Dein Brod essen" die weise Erziehung des Menschen durch Mühsal und Leiden. Was kann uns noch an der buchstäblichen Auffassung der Erzählung, welche nur ,

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