Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 4 (Juli 1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 130 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend Das rechte Verständniß und die ftuchtreiche Anwendung des Bibelunterrichts erfordert, daß der Schüler Ausdruck von Inhalt unterscheiden, vom concreten Gesetze das darin herrschende allgemeine Prinzip abstrahiren und aus dem, an die Praris sich anschließenden zeitweiligen Gebot, die zu Grunde liegende ewige Wahrheit für alle Zeiten hcrausfinden lerne, und endlich, daß er die rechte Ansicht von der heiligen Schrift erlange, daß diese nicht nur ein Lehrbuch, sondern vorzüglich ein Erziehungsbuch der Menschen sein will. Der Schüler wird dann um so mehr die Weisheit in der heiligen Schrift erkennen, daß sie nirgend abstracte Lehren, wiewohl sie darin enthalten sind, geradezu hinstellt, wodurch diese dem Mißverstände und Mißbrauche preisgegeben würden, sondern vielmehr durch zweckmäßige Erziehung dieselben entwickelt und vorbereitet. — Den ersten Punkt betreffend, Ausdruck von Inhalt zu unterscheiden, werden besonders die Anthropomorphien und Anthropopathien in das gehörige Licht gesetzt werden müssen, indem zugleich ihre Nothwendigkeit und ihre rechte Fassung dargethan wird. Sie sind unumgängliches Bedürfniß, wenn von Gott überhaupt positiv geredet werden soll; wer sich ihrer gänzlich entschlagen wollte, verfiele in den Nihilismus. Dagegen geschieht durch die buchstäbliche Auffassung derselben dem Glauben an die Unkörperlichkeit und Heiligkeit Gottes Eintrag, und dieser Gefahr ist der Unerfahrene um so mehr ausgesetzt, je feiner die Anthropomorphien und Anthropopathien gegeben sind. Die heil. Schrift beugt dieser Gefahr auf doppelte Weise vor, indem sie einerseits in der Lehre die Unkörperlichkeit und Heiligkeit des höchsten Wesens so rein darstellt, vor jeder Verstnnlichung so nachdrücklich warnt, daß auch die feinste körperliche Vorstellung von Gott grobe Versündigung wird, und andererseits in den historischen Stücken, wo die Anthropomorphien und Anthropopathien an ihrem Orte sind, dieselben so stark aufträgt, daß eine buchstäbliche Auffassung kaum denkbar ist. Ja oft findet sich, als unwiderleglicher Beweis gegen die buchstäbliche Auffassung der Anthropomorphie und Anthropopathie, in einem und demselben Zusammenhang die Anthropopathie und ihr sie aufhebendes Correctiv: So heißt es 1. Sam. 15, 11. „Es reut mich, daß ich Saul zum Könige eingesetzt habe" u. s. w. und ibiclem. 29 „der Ewige Israels lüget nicht, und ihn reuet nicht." Was aber hier im Allgemeinen behauptet wird läßt sich bei jeder Gattung von Anthropomorphie und Anthropopathie besonders Nachweisen, und ist es Sache des Lehrers, den wahren Sinn derselben zu erläutern und der plumpen Auffassung durch Hinweisung auf das entsprechende Correctiv vorzu-