Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 121 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenfionen. 121 Gewöhnliche nicht gut genug ist, und das allenthalben Neues, Glänzendes, Effectmachendes haben will. Wie eine bodenlose Kritik sich vorzüglich Ln diesem Spiele gefallt, und sie hier Gelegenheit findet, mit sinnreichen Conjecturen hervorzutreten, wurde schon oben angedeutet; auch ist man hierdurch der Mühe überhoben, die Grammatik sich gründlich anzueignen, aus die Sprache tiefer einzugehen, die schwereren Stellen zu eruiren, und einen sachgemäßen Sinn für sie aufzufinden. Diese Eregeten eonunentiren nicht den Autor, sondern sichsie sprechen nicht in seiner Sprache, gehen nicht in seine Zdeen ein, erkennen nicht seine Redeweise, sondern sie übertragen ihre Sprache, ihren Zdeengang, ihre Redeweise auf die Schrift, und so bekommen wir denn zuletzt — einen echt deutschen Samuel. Da wird denn auch die Septuaginta (und wer nicht sonst noch? Die Vulgata, der Syrer, Araber u. A., mögen sie auch nur der griechischen Version nachgeschrieben haben) herbeigerufen, sie soll diese Art des Forschens rechtfertigen; und so taucht die Eingangs erwähnte Absichtlichkeit wieder auf, und es fehlt auch an „Houbigante" nicht. Um zu beurthellen, welcher Tert den L.XX. Vorgelegen und wie sie ihn aufgefaßt, muß vor Allem die griech. Uebersetzung sowohl nach ihren inneren, als äußerm Bestandtheilen genau erkannt werden. Das Unwahrscheinliche, daß der masor. Tert, der aus Palästina, aus Jerusalem, dem Sitze der hebr. Literatur und Gelehrsamkeit in den Zeiten des ersten und zweiten Tempels, herstamwt, der corruptere sei, der alerandr. hingegen, trotz der zu Alerandrien herrschenden Unwissenheit, wofür Philo, wofür diese Uebersetzer selbst Zeugen sind, sich mehr von Fehlem ftei erhalten und vor jenem den Vorzug verdiene, ist zu sehr in die Augen springend, als daß wir hierbei, länger verweilen sollten. Hr. Th. meint zwar (Einleitung S. XXV. Anmerkung) „es wäre eine der rätselhaftesten Erscheinungen, wenn der eine Theil der Juden (die paläst.) die heiligen Nationalschristen mit der minutiösesten Sorgfalt behandelt hätte, der andere aber (die hellenistischen) so ganz aus der Art geschlagen wäre, daß er sich Willkürlichkeiten ff. erlaubt hätte." Doch schwindet hierdurch das Mffallende, daß der den gr. Uebers. vorgelegene Tert vorzüglicher, als der masor. gewesen sei? — Aber Ref. behauptet hier nochmals, was er in seinen „Vorstudien" ausgesprochen und mit vielen Beispielen nachgewiesm hat: die LXX. waren keinesweges ganz treue Uebersetzer, sie fügen Manches hinzu und ziehen Mehreres zusammen; sie geben das Hauptwort für das Pronomen des hebr. Tertes und umgekehrt; sie übersetzen femer nach dem Gehör und werdm leicht getäuscht; ihre Kenntniß des Hebr. war sehr schwach, und sie combiniren daher aus dem Zusammenhänge, ziehen gewöhnlich die leichtere Leseart der schwerem vor und fanden gerade durch die Ungenauigkeit ihrer Codd. sich hierzu berechtigt *); endlich führen die *) Hierin erblickt Ref. in seinen Vorstudien S. 205, 208 die Quelle der vielen Jrrthümerbei den LXX. Sie verwechseln und n und ss, 3 und 2 ff«; Frankel, Zeitschrift. I. 9