Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 105 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Heber die projcctirte Rabbinerversammlung. I0S es nicht minder ein eitler Wahn ist, daß durch solches Ansputzen für den Fortschritt gewonnen sei. Die Seele entweicht, ihr verziert den hohlen Leichnam; das Göttliche ist fortgezogen und vergebens sucht ihr es zurückzubringen. Laßt uns also die Wiffenschast fördern, dann brauchen wir nicht die Zuflucht zu Außendingen zu nehmen, um in den Augen der Gemeinde geachtet zu sein: wir haben dem Judenthume selbst unser eigentliches Verhältnis» zu ihr abgelauscht: es steht der Rabbiner nicht über der Gemeinde und doch ist er ihr Rabbiner, ihr Lehrer. Und welcher Gewinn hierdurch für Reformen! Wir fühlen uns oft, so sehr wir deren Nothwendigkeit erkennen, von dem Versuche znrückgeschreckt, weil nur Ungenügendes geleistet werden kann, und von jeder Seite uns Mißbilligung trifft; weil auch von den nach Reformen Verlangenden wir uns keines Dankes gewärtigen dürfen, sie nicht dem Glauben mehr angenähert, für ihn nicht gewonnen werden, da ihre Forderungen zu weit über den Glaubenskreis hinausgehen. Kehrt die Liebe durch Wiffenschast, durch lebendige Theilnahme, durch Selbstbewußtsein zurück, dann wird das Begehren nach Reformen nicht auf das Negative allein gerichtet sein; tritt an die Stelle der Gleichgiltigkeit, der natürlichen Folge des Herabdrückens zu Laien, die dem ausschließlichen Rabbiner die Sorgfalt für den Glauben znwälzen, ein kräftiges, gehaltvolles Aufftreben: es wird an dem Forffchritte und an der Erhaltung zugleich lebendiger Antheil genommen, wird verbessert, weil man bewahren, im Geiste des Glaubens und des Positiven fortbauen will. Einer solchen Hebung des Rabbinerthums muß die Sorgfalt einer aus Rabbinen und Predigern zusammengesetzten Versammlung sich vor Allem zuwenden. Ihre Berechtigung findet sie in sich selbst und in den allgemeinen Symptomen der Zeit, in den mannigfach zu höheren Zwecken sich bildenden Vereinen und Zusammenkünften. So werde denn auch-der Geist mitgebracht, der zu solchen Vereinen anregt und beseelt. Es vereinigen sich Geistliche, sie treten mit einer frommen Ueberzeugung zusammen, und besprechen sich über Erhaltung; es bilden sich Vereine und Nebenvereine und streben dem Hauptziele zu, den Glauben zu befestigen. Mit solcher Tendenz, mit inniger Liebe zum Judenthume sollen auch die Rabbinen zusammenkommen: wen die Lust nach Destruktion, wen das Verlangen den Vernichtungsproceß in Gang zu bringen herbeifiihrt, der hat aus solchem Vereine sich selbst ausgeschlossen, hat dessen Wesen und Zweck verkannt. Die projectirte Versammlung muß auf positivem Boden ruhen, muß streben, die mannigfach leichtsinnig abgerissenen Fäden wieder aufzunehmen Frankel, Zeitschrift. I. 8