Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-06-01 · 3 (Juni 1844) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
3 (Juni 1844)
Date
1844-06-01
Page
Seite 104 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744862--0123-2745063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 lieber die projectirte Rabbinerversammlung. und durch sie den edlem Kern des JudenthnmS erfassen, nicht durch manche rauhe Schale vor ihm zurückschrecken und seinen Ruhm in Verwerfen und Herabwürdigen finden. Es komme das Wissen in und durch dm Rabbiner zur Geltung: er suche es zu verbreiten und die erloschne Liebe wieder zu entzünden. Es soll zwar nicht hiermit dem Studiengang der letzten Jahrhunderte das Wort gesprochen sein, wollen wir nicht die Jugend in die Irrwege der subtilen Spitzfindigkeiten hineinführen: doch muß nach dem Geiste des Judenthums ein anregendes Moment sein, das der Praxis selbst Leben gibt. Dieses Moment aufzufinden, welche höhere Aufgabe könnte eine Versammlung von Rabbinen sich setzen? Der Rabbiner vertritt die Gelehrsamkeit, und soll er nach dieser das Wesen des Judenthums genau erkennen. Dieses hat seine eigenthümliche Ausprägung: sein Ritus, seine Gesänge, seine Gebete, seine Predigtweise, seine Belehmng ist tief bedingt in seinem Wesen, in seinem Entwicklungsgänge: es sendet aus seiner Herzkammer das Lebensmoment nach allen diesen Richtungen aus, und durchhaucht sie mit befrischendem Lebensstoff. Damm wollen wir uns vor blinder Nachäfferei hüten, nicht auf diesen Baum pfropfen, was ihm nicht naturwüchsig ist, wofür in seinem Wesen kein Anhalt. Dieses, auf viele Verhältnisse anwendbar, muß zur Hebung des Rabbinerthums mit ungemeiner Austnerksamkeit erfaßt werden. Es macht von mancher Seite sich ein Bestreben kund, die Gemeinde zu Laien herabzudrücken und den Rabbiner als ihren alleinigen Vertreter zu erheben; man sucht die fromme Thätigkeit, den lebendigen Antheil ihr zu entwinden, und glaubt hierdurch für den Anstand, für Aeußeres gewonnen zu haben. Aber hierbei gehet das Wesen verloren; und hat man es dahin gebracht, daß die Gemeinde sich nur als aus Laien bestehend ansehe und der Rabbiner ihr der Geistliche sei, so hat das Judenthum aufgehört, ist ihm der Geist entwichen, die Regsamkeit und Frische entschwunden. Und wird die entflohene Selbstständigkeit je durch einen blinden Gehorsam ersetzt werden? Muß nicht der Rabbiner selbst für dieses schöne Palladium des Judenthums besorgt sein, er selbst, wenn die Gemeinde es aufgeben wollte, ihr ihre Freiheit, ihr Selbstbewußtsein, ihre lebendige Thätigkeit bewahren? Es sei hiermit kein Tadel gegen andere Konfessionen ausgesprochen, nach deren Princip und Fortbildung ein anderes Verhältniß sich gestaltete; im Judenthume kann es kein geistliches Institut geben. Und wird es durch Nachäfferei hereingezogen, werden von Außen die Formen abgesehen und herüber getragen, so liegt hierin ein Frevel an dem Geiste des Judenthums, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.