Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 102 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Heftet die projeetirte Rabbinerversammlung. dürfmsse erkannt, wie die Pulsschläge des Volkes gezählt werden? Durch eine Versannnlung, eine Synode, wo es durch den Mund der aus seiner Mitte gewählten und mit seinem Vertrauen beschenkten Vertreter selbst spreche; wo seine Rabbiner im alten Sinne des Wortes, die Gelehrten, die Wissenschaft vertreten: Wissenschaftlichkeit ist das waltende Princip im Judenthume; wo also die vorzüglichste Bedingung der Verbreitung der Reformen, das Verttauen des Volkes, ganz cr- Mt, und jeder traurigen Spaltung, den verhängnißvolleu, religiösen Aenderungen nur zu häufig begleitenden Zerwürfnissen, vorgebeugt wäre. Daß die projeetirte Rabbinerversammlung eine solche Synode nicht ausmachen kann, resultirt aus ihrem ganzen Wesen, und hat sie selbst ausgesprochen, daß sie nicht als Synode sich geben will. Die Rabbiner kommen hier auf ihren Antrieb zusammen, und sind sie nicht von den Gemeinden hierzu beordert: sie bilden nicht deren Mandatarien, bringen nicht Vollmachten mit, in welchen sich die Gemeinden als durch sie vertreten ansehen, ihren etwaigen Beschlüssen Gültigkeit zuerkennen, und sie mit vollem Vertrauen hierzu belehnt haben. Daß es der Versammlung nicht um eine Synode zu thun sei, bekundet sich ferner aus ihrer Zusammensetzung und wen sie zu ihren Mitgliedern zählen. Sie beschränkt sich bloß auf sungirende Rabbiner und Prediger: eine Synode im Judenthume setzt allgemeine Vertretung voraus, kennt nicht ein Ausschließen und Abwägen nach Function und Amt; jeder Gelehrte ist Rabbiner und muß ihm der Zutritt gestattet sein.*) Es geht also einer derartigen Versammlung das Grunderforderniß zu einer Synode und zum Beschließen ab: kann sie nur eine freundliche Besprechung sich zum Ziele setzen. Es wollen Männer über das, was ihrem Geschäftskreise zunächst liegt, sich berathen, sich über die ihnen als Fungirenden obliegende Thätigkeit verständigen: sie sprechen zum Volke, verkündigen ihm das göttliche Wort, und liegt nach ihrer *) Das durch Napoleon veranstaltete Synhedrium verschwand plötzlich mit seinen Beschlüssen, weil ihm das Vertrauen des Volkes fehlte, (es war nicht durch dessen Bedürfniß und in dessen Auftrag zusammenberufen); und ihm die im Texte erwähnte allgemeine Vertretung, (oftschon man ihm eine solche Gestalt zu geben wünschte), abging. Andere derartige Versuche mußten ebenfalls, da sie diesen Bedingungen noch weniger entsprachen, erfolglos bleiben. Es zeigt von gänzlicher Verkennung, wenn mau das Scheitem des zuerst erwähnten Synhedriums in dem Sturze Napoleons sucht, und daß bei seiner länger« Herrschaft er den Synhedrialfteschlüffen Eingang verschafft hätte. Gewalt und Aufdrängen erzeugt in religiösen Angelegenheiten den heftigsten Widerstand und macht Märtyrer. Institute dieser Art müssen sich selbst überlassen bleiben, und ihre Legitimation in dem ihnen gewordenen Vertrauen finden.