Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 101 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber die projectirte Rabbinerversammlung. 10» Böckchen in der Muttermilch zu kochen," jede andre Beschränkung sei überflüssig. Und man meint, daß nach einer solchen Erklärung jenes Gebot wirklich werde beobachtet werden? Da ist doch der Glaube seinem ganzen Wesen nach verkannt. Der Glaube muß ein Innerliches, mit Wärme Aufgefaßtes sein; die uns zusagende Anschauungsweise, die innige Verkettung und Wechselwirkung, in der wir uns mit der Anwendung dieses und jenes Gesetzes befinden, umwandelt die kalte Vorschrift in belebendes Gotteswort, daß die Form selbst sich zu Wesen und Idee gestalte und Anhalt und Annäherung an Gott werde. Hebet diese Innerlichkeit auf, vernichtet die durch Gewohnheit und zeitherige Anschauung geltende Form: wird das Gebot dann noch einige Kraft haben, wird seine Verbindlichkeit anerkannt werden, weil es als göttlich angekündigt wird? Bestaget, ob Jene, die diese Innerlichkeit ausgezogen, die Grenze zwischen Talmudismus und Mosesthüm beachtet; forschet überhaupt, ob eine solche Grenze je gefunden werden kann. Der nackte Mosaismus stehet uns, da die mehrtausendjährige Verbindungskette des Judenthums mit ihm abgebrochen werden soll, in ungemeiner Entfernung; er ist göttlich, aber wir wissen ihn nicht zu finden: die Kritik weist Manches als ihm nicht gehörend zurück, die Exegese legt Bedeutungen und Deutungen hinein, über deren Sinn man nicht einig werden kann; woher also die Erklärung nehmen, woher die Norm finden, wenn wir die Erklärung, die sich zum Glaubensbekenntnisse gestaltet und seinen integrirenden Theil ausmacht, von uns werfen? Weg mit der unvorsätzlichen oder gar vorsätzlichen Täuschung, daß man auf das Mosesthum lossteuern wolle. Ihr habet nicht begriffen, oder wollt nicht begreifen, daß es sich um Sein und Nichtsein handle; Ihr sehet nicht ein oder besitzet nicht Ehrlichkeit genug cs zu bekennen, daß ihr Moses- und Judenthum vernichtet, die Offenbarung auf einen leeren Hauch zurückführt: Ihr treibet hin auf eine Negaüon, auf eine gänzliche Aufhebung und Auflösung, die freilich die Formen von sich wirft, aber auch aus den Grenzen jeder positiven Religion herausgetreten ist. Soll die Reform nicht nur vernichten, sondern auch aufbauen; soll, was die eine Hand als abgestorbenes und nutzlos an dem Marke des Baumes zehrendes Reis abhaut, die andere durch einen neuen Senker, durch kräftige und frische Impfung wieder ersetzen, so muß auf dem Boden des Judenthumö, da wir mm in ihm leben, reformirt werden. Das Volksbewußtsein wird hier vor Allem in Anschlag kommen müssen (vgl. S. 20 ff.); sein Bedürfniß nach Reform sowohl als nach Erhaltung muß maßgebende Norm sein. Wie diese Be-