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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-06-01 · 3 (Juni 1844) · p. Seite 100

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
3 (Juni 1844)
Date
1844-06-01
Page
Seite 100 (sequence 14)
Language
German
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100 Ueber die projeetirte Rabbinerversammlmig. der hält es für seine Pflicht, die Reform zu prüfen und gibt sich ihr nicht unbedingt hin, da geistliche Autorität nicht Geltung im Judenthume hat. Es muß also auch in formeller Hinsicht erst der Boden fiir die Reform erkämpft werden; sie muß sich vor Allem im Judenthum ihre Berechtigung auffucheu. Das in ihm Vorhandene muß die Norm sein, nach der zu Werke gegangen wird; so wie die Mitglieder eines gesetzgebenden Körpers zu ihrer Constituirung sich an das bis jetzt geltende Gesetz halten, denn sonst geht ihnen die Legitimation ab, sind sie nicht mehr als jeder Andre zu der Gesetzgebung berufen. Wir werfen nun weiter einen Blick auf die Reformen selbst: auch sie können von dem Boden des heutigen Judenthums sich nicht ganz entfemen, wenn sie nicht jeden Gmnd und Halt verlieren sollen. Das Judenthum, wie es jetzt ist, ist seinem wesentlichsten Inhalte nach, von jenen Rabbinen, Lehrem, festgestellt, und dürfte also grade, weil es sich nicht für ein göttliches Werk ankündigt, mit Ausnahme einiger Traditionen nicht als ein Gcoffenbartes gelten will, die Reform weniger Widerspruch finden. Mögen jene Mnner auch mit dem auftichtigsten Willen gestrebt und geforscht und ihrer Zeit genügt haben, so stehen sie der heutigen Zeit und ihrer Bildung zu fern, als daß sie die Norm fiir sie abgebcn könnten. So hört man es von mancher Seite verkünden, und glauben wirklich Manche Großes darin ausgesprochen zu haben, das Gesetz soll auf die Schrift zurückgeführt, das talmndische Judenthum abgeschafft werden. Diesen Aeußerungen liegt eine ungemein oberflächliche Anschauung des Judenthums zu Grunde, und gehet ihnen der eigentliche Begriff des Glaubens ab; es ist das theoretische Tasten aus dem Studierzimmer heraus, das abgesehen vom Menschen und was ihm geheiligt und wodurch es ihm geheiligt wurde, sich seine Principien abstrahirt und sie mit einem leichten Sprunge in die Wirklichkeit hineinzuversetzen vermeint. Mosesthum und sogenanntes talmudisches Judenthum sind im Laufe der vielen Jahrhunderte so ineinander verwachsen, es hat die Hülle selbst sich so in Wesen umgewandelt, bildet die Erklärung mit dem geoffenbarten Gesetze ein Ganzes, fand es durch das Rabbinerthum seine Vermittlung zu uns, daß es nur durch diese Handhabe uns ein Belebtes und Zusagendes ist. Reißet ihr Mosesthum und Judenthum aus einander, so habet ihr auch jenes aufgehoben, und ist es ein eitler Wahn, daß durch solche Sonderung der reine Mosaismns werde zur Geltung kommen. Es kann die Bonhommie nur Lächeln erregen, die altklug die jetzt lebenden Rabbiner meistert, daß sie nicht offenbar erklären, das Gesetz verbiete nur „das

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