Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 98 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Ucbet die projectirte Rabbinetversammlung. weilte unter Menschen und blieb menschlich; und wurde auch nicht das natürliche innige Verhältniß zu Gott aufgelöst. Von diesem Verhältnisse des Studiums und des Rabbinerwesens aus, müssen die Reformen nach ihrer innern und äußem Gestaltung beurtheilt werden. Bleiben wir vorerst bei letzterer stehen und rufen die Weltgeschichte zu Hilfe. Man hält allgemein Reformen für nicht unausführbar, und meint, daß es hierzu nur des Muthes eines Huß, Luther, Melanchthon und Anderer bedürfe. Aber fragen wir weiter, woher die allgemeine Empfänglichkeit firr Reformen je kam, so antwortet die Geschichte, daß sie nicht aus Widerwillen gegen die Religion und ihre erschwerenden Vorschriften ihren Ursprung nahm, sondem aus dem ftevelhaften unheiligen Treiben, mit welchem Menschen die Religion zu ihren Zwecken emiedrigten, aus dem Unwillen über die Laster und Verbrechen, mit denen die Diener des Glaubens ihn und die Menschheit entwechten, daß das Auge sich nur mit Widerwillen zu ihnen wenden konnte, daß durch sie der Verlust des Glaubens, der hoch und theuer gehalten war, in Aussicht stand. Schon die Concilien zu Pisa, Kostnitz und Basel, die selbst aus lauter Prälaten, Cardinälen, Bischöfen ff. zusammengesetzt waren, zeigten das Bestreben, der Macht des in alle Verhältnisse Eingriff thuenden, Stellen und Präbenden an sich reißenden und die Kräfte der Priester und Laien aussaugenden Papstthums Einhalt zu thun. Sie scheiterten in diesem Versuche, und würde auch der Erfolg nicht bedeutend gewesen sein, weil, wie geistreiche Schriftsteller bemerken, sie die tiefere Wurzel des Uebels, die damalige Verderbtheit der Geistlichkeit nicht angegriffen, und also das Volk sich noch immer nicht mit den Vertretern des Glaubens hätte aussöhnen können. Luther, dessen Schritte zuerst von dem Protest gegen den Ablaßkram ausgingen, und dessen ganzes Ziel gegen die Macht des Papstes und seine ungerechten Anmaßungen gerichtet war, mußte Anklang finden, und sein Streben den Zeitgenossen als ein heiliges erscheinen. Ob die weiteren Folgen, die sich im Laufe der Zeit daran geknüpft, schon im Plane des Reformators lagen, ob von vornherein geahnt wurde, wie weit sie führen werden, hierüber dürfte schwerlich eine bejahende Antwort geftmden werden. Befraget nun die Geschichte der Rabbinen! Mästeten sie sich mit dem Schweiße des Volkes, zogen sie die fetten Pfründen an sich, thaten sie sich gütlich in Ueppigkeit und Ueberfluß, gaben sie durch ihre Sitten Anstoß und verletzten den Glauben in den Augen des Volkes? Sie waren nur Lehrer, ihr Leben war getheilt zwischen dem Studium und der Sorge