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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-06-01 · 3 (Juni 1844) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
3 (Juni 1844)
Date
1844-06-01
Page
Seite 95 (sequence 9)
Language
German
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lieber die projectirte Rabbinerversammlung. 95 Judenthum stehet ganz im Glauben, die Grundlage der Gesetze macht ihm die Offenbarung; es forscht nicht nach deren Ursache, sondem wie sie anözuführen seien: es bleibt auf realem Boden, verliert sich weder über das Wesen Gottes, noch über das der Gebote in mystische Träumereien, und gestattet Mysterien keinen Einfluß auf die Forschung und Uebung (vgl. oben S. 10). Eine natürliche Folge dieses Hineinziehens des Studiums in das Bereich der Religiosität war, daß das Studium selbst für Jedermann eine eben so heilige Verpflichtung wie die Uebung selbst wurde. Im Judenthume eristirt nicht die Eintheilung in Theologen und Laien, findet nicht die Classificirung statt, in Gottesgelehrte, denen die Seelsorge anvertraut ist, und Jene, die sie ihnen anvertrauen und sie für ihre Seele sorgen lassen. Das Studium, die Erforschung des Gesetzes, soll neben allen Lebensbeschäfttgungen einhergehen, und diese sich an dasselbe anlehnen: Jedermann soll nach seinen Kräften sich selbst belehren, nicht eine blinde Maschine in den Händen Anderer sein. Da femer das Judenthum keine Geheimnisse hatte, so war der Zutritt zum Studium von selbst Jedermann eröffnet, bedurfte es nicht der besonderu Weihe, um die heiligen Vorhöse (wie bei den geheimen Wissenschaften) zu betreten, noch lag in einer Ordination, einer äußern formellen Handlung die Graduinmg. In dem Judenthume soll es nicht eine Gemeinde geben, die an dem Leitseile eines geistlichen Hirten geleitet werde, die Gemeinde soll nicht zu einem blinden Gehorsam sich hinneigen, noch Geistliche als höhere Kaste über derselben stehen; nm die wissenschaftliche Befähigung, der Fortschritt und die Vollkommenheit ertheilt den Vorzug, erhebt zum Lehrer. Der Name „Geistlicher" ist dem Judenthume unbekannt; dieser möchte vielleicht für die Priester aus dem Stamme Aarons, als noch der Tempel stand und der Tempeldienst in seiner Geltung war, anwendbar sein (aber auch da nicht in dem heuttgen Sinne); beim Juden gibt es nur Lehrer; sie haben weder die Kraft zu binden noch zu Symboliker sagt er bloß: „ich hätte wohl deren Leichtfertigkeit zu tadeln (o5; ßEfi- <f)atßtjv äv Myaye rtjg eö/spsta?')." Bemerkenswerth ist. wie diese Erscheinung im 15. und 16. Jahrhunderte in Spanien wieder hcrvortrat; in mancher Secte unter der Hülle der Kabbala sich in den letzten Jahrhunderten Geltung verschaffte, und im Chassidismus in ihrer craffesten, cynischsten Form durchbrach. Auf diese Erscheinungen näher einzugehen, liegt außer dem Bereiche dieses Aufsatzes; doch wird man hierin de» Aufschluß finden für Manches, das hier nur «»gedeutet werde» konnte, und worauf der Berf. zu seinem eignen Bedauern erst in einem andern Aufsätze, in welchem er auf das Schädliche der an ei» Christianifiren sich annähernde» Symbolik aufmerksam machen will, zurückzukommen hofft.

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