Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 94 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Hebet die projectirte Rabbinerversammlung. Veredlung des Menschen. In diesem Sinne wird das Studium höher als die bewußtlose Praxis gestellt: „Das einzelne Gebot ist eine Leuchte, die zuweilen verlischt, das Studium ist ein Licht (das immer Helle und Wärme verbreitet." *) Aber das Studium mußte auch zum unmittelbaren Zwecke die Praxis haben; ** ***)) sie unterstützten sich einander wechselweise. Das Studium nahm daher nicht jenen phantastischmystischen Charakter an, der aus morgen- und abendländischen Philosophemen zusammengeflossen sich in Alexandrien Geltung verschaffte und, wie aus Philo zu ersehen, nicht nur den Geist der Schrift, sondern auch das Gesetz allmählig verdrängte und auf Symbole herabbrachte, die ebenfalls ihren Ursprung in griechischen Ideen hatten. Und kann überhaupt das Gesetz, dessen Werth erst in der Symbolistrnng gesucht wird, erwärmen, kann nach seiner practischen Seite ihm die Heiligkeü zugeschrieben werden, daß mit Aufopferung und Anstrengung dafür gekämpft werde? Symbolisirung ist der Vorbote des geistigen Todes, der Auflösung des Glaubens, der keine erwärmende Kraft in sich hat, dem das belebende und vergöttlichende Moment entflogen ist und, der ängstlich nach einem Anhaltspunkte greifend, sich selbst aufgibt, seine Vorschriften als uneigentlich erklärt, als ein Gewand, für das er das Wesen, nach jedem Schatten haschend, sucht: und welcher größere Anlaß zur gänzlichen Aufhebung, als in diesem unheiligen Spiele, wo Jeder finden kann, was er will, und — endlich gar nichts findet und Alles aufgibt. **#) Das sogenannte talmudische *) Sota f. 21, vgl. auch Kiduschin f. 41. **) Das.; Spr. der Väter, e. 1. Msebna 17. ***) So fährt Philo (Allegor. L. 1, p. 42. 34. Quis rerum divinarum baeres, p. 504 u. a. a. O.) die Heiligkeit des Sabbaths aus die Siebenzahl zurück, die „die Pythagoräer einer ewigen, von keiner Mutter gebornen Jungfrau vergleichen": (oi Uo&ayopeioi tt} äsntap&Evw xae äfiyTpw abzTjV ä7cecxd&U(Tiy)% Durch solche Symbole kommt er nun hinsichtlich der Ausübung in Verlegenheit und erzählt selbst, (De migratione Abrahami p. 402.) „daß Mehrere dafür halten, da die Gesetze nur bildlich sind, man auf die Ausführung keinen Werth zu legen brauche." Philo selbst widerspricht zwar diesem, und meint „daß wenn auch der Sabbath auf etwas Anderes hindeute, man doch deßhalb nicht den Acker bebauen, Lasten aufladen, Feuer anzünden ff. dürfe; das Gesetz ist zwar nur der Körper, aber so wie für diesen Sorge getragen wird, so auch für den gewöhnlichen (buchstäblichen) Sinn des Gebotes ff." Aber der Körper bleibt immer eine Last, er kann weder Liebe noch Achtung beanspruchen; ein solcher Körper bildet endlich sich nach der Seele, die in ihn hineingelegt wird, und welche Wandelbarkeit erhält also die Ausübung des Gesetzes! — Philo selbst scheint die Schwäche seiner Gründe empfunden zu haben: er pflegt an anderen Orten gegen Gegner seiner Ansichten ziemlich heftig loszuziehen: gegen die vorerwähnten, um die Ausübung sich weniger kümmernden