Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Ucbcr die projectirte Rabbinerversammlung. auch solche vorgebrachte Aeußerungen der Zweckmäßigkeit der Versammlung nicht Abbruch thun. Denn warum die bange Besorgniß hegen, daß die ganze Versammlung jeden Halt und Boden verlieren werde, daß die Mehrzahl von Männern, die um über die Angelegenheiten der von ihnen vertretenen Religion sich zu besprechen zusammenkommen, nicht ihren Glauben, ihre Brüder, deren heiligste Interessen im Auge haben, daß ihnen nicht daran gelegen sein werde, durch klare Besonnenheit und würdige, abwägende Sprache das Vertrauen ihrer Gemeinden weiter zu behaupten, und die Zweifelnden und Mißtrauischen von der Redlichkeit ihrer Absichten zu überführen; warum der Furcht Raum geben, daß um ihr Zusammenkommen glänzend zu machen sie mit Entwürfen und Vorschlägen hervortreten werden, die das Herz ihrer Glaubensgenossen ihnen entftemden? Und würden diese bangen Besorgnisse gerechtfertigt, so läge in solcher Versammlung selbst schon der Keim der Auflösung: eine durchgängige Protestation würde über sie das Verdammungsurtheil sprechen, die allgemeine Meinung sich für immer von derartigen Zusammenkünften lossagen und in ihnen kein Heil erblicken. Es ist aber diese Besorgniß nicht nur ungerecht, sondern auch völlig ungegründet, da sie den Zweck der Zusammenkunft ganz verkennt. Wo nicht Beschlüsse gefaßt, sondern nur Ansichten ausgetauscht werden, da entscheidet doch nicht Mehrheit der Stimmen, da kann selbst der gegründete Protest des Einzelnen nicht als unbedeutende Minorität zurückgewiesen werden, und wird also jede Meinung vertreten. Doch hier grade ist der Wendepunkt, wo von einer Seite Besorgnisse, von der andern Hoffnungen gehegt werden, die sowohl hier als dort Ms Verkennung des eigentlichen Wesens des in Aussicht stehenden Vereines beruhen. Von vielen werden von einer solchen Zusammenkunft Beschlüsse gefürchtet, von Vielen Beschlüsse gehofft; Jene schrecken zurück vor den Folgen der Reformen, die bei einer ereentrischen Majorität bevorstehen könnten; diese versprechen sich Umänderungen und einfluß- und erfolgreiche Resultate. Letztere vorzüglich müssen über das wahre Verhältniß aufgeklärt werden, auf daß sie nicht, wenn der Erfolg ihren hochgespannten Erwartungen nicht entspricht, das Auge mißmuthig abwenden, das Vertrauen zu den Rabbinen ganz verlieren und in die Klage ausbrechen, es sei diesen um den Fortschritt nicht Ernst. Für sie also sei vor Wem bemerkt, daß Beschlüsse nur von einer Synode ausgehen können; Rabbiner und Prediger aber nach dem ganzen Wesen des Judenthums weder eine Synode bilden, noch ihre Be-