Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 3 (Juni 1844)
- Date
- 1844-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber die projectirte Rabbinerversammlung. 91 zu allgemeinen Zwecken im Wege stehen. Wie dieses mitunter in das entgegengesetzte Resultat überschlägt, und die Vereinigung zur Absonderung, zur Ausschließung führt, gehört nicht hierher; jedenfalls liegt es schon in der Bestimmung des Menschen, daß er mit Anderen stch zur Bewerkstelligung oder zur Erhaltung und Veredelung dessen verbinde, wozu die einzelne Kraft nicht ausreicht. Warum soll also das Judenthum nicht auch diese allgemeine Idee benützen, warum nicht seine Lehrer ebenfalls zur Vertretung seiner heiligen Interessen sich in einer Zukunft vereinigen, wahrnehmen, wie es erhalten und befördert werde, und man es zum Gedeihen und Frommen der Gegenwart und Zukunft in Uebereinstimmung hege und warte, und sich an seiner Göttlichkeit immer mehr stärke? Ob Vereinigungen solcher Art zuerst von christlicher oder jüdischer Seite ausgingen, kann so wenig in diese oder jene Schale etwas werfen, als daß der Materialismus sich zuerst dieser Idee bemächtigte, und sie auf Verbindungswege, auf Annäherung von Ländern und. Meere» und Ueberwindung des Raumes und der Zeit anwendete. Der allgemein angeregte Gedanke spiegelt sich in den verschiedensten Formen ab, weil er schon Empfänglichkeit vorgefunden, und ihm eine allgemeine, wenn auch noch dunkle Erwartung entgegen kam: dämm kann Niemand ihn sein Eigenthum nennen, Niemand einen Vortritt beanspruchen. So lange nun die Zusammenkunft einen Zweck, wie den oben angedeuteten sich setzt, darf sie wohl auf Billigung von allen Seiten rechnen. Sie will eine Verständigung zu Stande bringen: es soll durch fteundliche Besprechung zum klaren Bewußtsein kommen, wie das Judenthum die edleren Zeiteinflüffe in sich aufnehme, die unedleren zurückweise; wie es auf die Zeitbedürfniffe eingehe, ohne seine Eigenthümlichkeit aufzugeben; wie die Formen des Judenthums vergeistigt und erhöhet werden, ohne daß es in einen flachen Rationalismus, in kraft- und marklose Phraseologie auslaufe; wie das Judenthum als Religion der Väter uns verbleibe und nicht als Nachlaß neuerer philosophischer Schulen, mit deren buntem Wortgepränge man es von mancher Seite überkleidet und sein Wesen ganz verwischt; wie überhaupt das Jrrdenthum seinen Glaubenskern bei allen Wandlungen und Strömungen der Zeit bewahre. Mögen auch in solcher Versammlung manche excentrische Ansichten hervortreten, mögen auch Manche, der Gegenwart zu viel einräumend, die Zerstörung als Fortschritt ansehen, in der Bekämpfung und Herabwürdigung der geheiligtesten Formen die Ausgabe der Jetztzeit erblicken und dort anfangen, wo das Judenthum aufhören und der Glauben sich selbst aufgeben würde: so können 7*