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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-06-01 · 3 (Juni 1844) · p. Seite 90

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
3 (Juni 1844)
Date
1844-06-01
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
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90 Utber die projectirte Rabbinerversammlung. Bedürfnisse der Zeit befreunden. Dieses thut sich oft nach der eigenthümlichen Richtung des Zeitalters, nach den allgemein herrschenden Begriffen und Ansichten, nach den Erfahrungen und Begebnissen, nach den zu einer gewissen Epoche einbrechenden Widerwärtigkeiten und anderen Zufällen, kund: und ist es also nicht ein von außen Erlerntes, nicht ein Anderen Abgesehenes, sondern es bricht allgemein durch, flammt in jeder Menschenbrust auf, und hat hierdurch sein heiliges Recht sich erworben. Hingegen wird der Glaube standhaft zurückweisen, was des tiefem Gefühles entbehrend, in einer blinden Nachahmung seine Rechtfertigung finden will. Hier sieht er sich in seiner Selbstständigkeit beeinträchtigt, findet hierin die Verletzung seines Wesens, das zu einem kindischen Spiele und eitlem Paradiren herabgewürdigt werden soll; es kann, wo nur ein äußeres Moment treibt, fiir das keine Wurzel, kein innrer Anhalt aufzufinden ist, nicht der Gottesfunke zünden, und erregt das Motiv einen nicht zu beschwichtigenden und zu versöhnenden Unwillen über die Versündigung an Glauben und Wahrheit, die in solchem versteckten Spiele begangen wird. Es stehet eine Versammlung von Rabbtnen und israel. Predigern in Aussicht. Wäre nur Nachahmung der Hebel (es associren sich Bibel- Dombau - Actiengesellschaften ff., es bilden sich Vereine von Geistlichen, von Schullehrern, der Gustav-Adolph-Stiftung ff.; dämm soll auch das Judenthum an Associationen und Vereinen nicht zurückstehen): so wäre diese Idee unbezweiselt von allen Seiten zurückgewiesen worden, hätten weder Rabbiner noch Prediger ihre Theilnahme zugesagt, noch das Publicum ihr Aufmerksamkeit geschenkt. Wir haben die Schwindel- und Schwebe-Epoche schon überwunden: ist es in den Meisten zwar nur ein dunkel dämmerndes Gefiihl, durch das die Sonne der Einsicht und Klarheit noch nicht gebrochen, so ist man doch darüber einig, daß das Judenthum eine Selbstständigkeit habe, es seinen Weg gehen, sich auf die ihm eigenthümliche Weise entwickeln und seine Kämpfe durchmachen muß. Verpflanzt man den Begriffs¬ und Bildungsproceß anderer Religionen auf diesen Boden herüber, so stehet man auf einem rauchenden unterminirten Vulkane, dessen Krater sich kläffend öffnet und die Decke durchbricht, weil in ihm die verschiedenartigen, einander widerstrebenden Elemente nicht zur Ruhe gebracht werden können. — Aber es liegt die Idee der Vereinigung überhaupt im Geiste der Zeit, und man könnte sagen, im Geiste der vorgerückten Menschheit: es tritt die Individualität mit ihren scharfen Wgrenzungen und Kanten allmälig vor dem Ganzen zurück, und verschwinden daher auch immer mehr die Hindernisse, die der Annäherung

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