Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 79 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744861--0095-2745034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte über Synagoge und Schule. - 79 der individuelle Mensch verschwinden und nur der Annehmer und gerechte Richter und Beschützer seiner Unterthanen hervorragen soll. Doch wir unterdrücken unsere Gefühle, da nach manchen Nachrichten die jüdischen Blätter zum Verderben der Unglücklichen ausgebeutet werden, und eine auf den Untergang der Juden Rußlands sinnende Partei ihnen andichtet, es seien diese Klagen von ihnen selbst ausgegangen und bedienten sie sich auswärtiger Organe, um Europa mit ihrem Unglücke bekannt zu machen. Ms könnte je das Aechzen der Gepeinigten, das Jammergeschrei des zum Tode Gefolterten ein Verbrechen fein; als läge Recht und Rechtsgesühl im gebildeten Theile Europa's so sehr darnieder, daß nicht jene Verletzungen von Jedermann tief empfunden, die Entrüstung über das an der Menschheit begangene Unrecht nicht allgemein getheilt würde! — Wir lenken die Aufmerksamkeit des Publicums auf ein anderes Ereigniß. Man spricht von Anlegung jüdischer Ackerbaucolonien, und hierzu soll, wie von mancher Seite bemerkt wird, es der Hilfe und Beförderung von Seiten des Auslandes nicht bedürfen, da von der Krone selbst so viel darauf gelegt wird, und sie Immunitäten u. dgl. m. verspricht. Hier muß nun aber zurückgerufen werden, daß vor einigen Jahren viele Juden, vertrauend der von der Regierung verheißenen Unterstützung, aus Kurland nach Bessarabien auswanderten. Was ist aus diesen Auswanderern geworden, und warum sind sie auf einmal ganz verschollen? Hierüber ist uns Folgendes mitgetheilt worden: diesen mittellosen Auswanderern wurden die Reisekosten von der Negierung zugesagt, und zwar hatten sie einen Theil an dem Orte ihres Abzuges, die anderen Theile an Zwischenstationen zu erhalten. Als sie nun an diesen Zwischenstationen anlangten, hielten die Beamten das Reisegeld zurück. An wen konnten nun die Hilflosen sich wenden, wie der bekannten Habgier russischer Beaurten Geld entreißen, bei wem ihre Klagen erheben? So fielen sie auf die ohnedieß schon verarmten russischen jüdischen Gemeinden, an denen ihr Weg sie vorüber führte, und die nun mit einer neuen Schaar von Bettlern bereichert wurden. Viele von diesen angeblichen Kolonisten erlagen den Mühsalen des Elends und der bittersten Enttäuschung) und nur Wenige langten an dem Orte ihrer Bestimmung an. Aber auch die ftüheren jüdischen Kolonien in Südrußland sollen ziemlich Ln Verfall gerathen. Kaiser Alexander hatte ihnen gestattet durch jüdische, aus ihrer Mitte gewählte Vögte ihre Angelegenheiten zu ordnen. In neuerer Zeit sind russische Vögte an deren Stelle getreten: und wie kann unter deren rauher Hand die zarte Pflanze der Kolonisation gedeihen? Gerichte über SWagoge und Schule. Mähren, 1844. Es liegt bei einem Berichte über die konfessionellen Verhältnisse der Juden Mährens ein so vielfältiger Stoff zur Besprechung vor, daß Res. fast fürchten muß von dem Material überwältigt zu werden.